Anwälte unter sich
Zahlreiche Mitwisser bei Bahn-Affäre

Bei der Spitzelaffäre der Deutschen Bahn gab es mehr Mitwisser, als das Bundesunternehmen bisher zugegeben hat. Nach Informationen des Handelsblatts von Mitarbeitern des Konzerns waren nicht weniger als drei Abteilungen der Bahn darüber informiert, dass Konten von Mitarbeitern ausgespäht wurden.

BERLIN. Demnach wussten die Abteilungen Recht, Personal und Compliance von der Aktion. Außerdem arbeitete die Bahn in diesem Fall mit vier Anwaltskanzleien zusammen. Keiner der Juristen nahm daran Anstoß, dass die Bahn hier offenbar mit illegal beschafften Daten arbeitete.

Die Bahn wollte dazu auf Anfrage nicht Stellung nehmen und verwies auf die laufenden Ermittlungen der vom Bahn-Aufsichtsrat eingesetzten Sonderermittler.

Nach Informationen des Handelsblatts ging es bei den gröbsten Vergehen vorwiegend um die Firma Europromotion. Die in Wiesbaden ansässige Eventmarketing-Agentur arbeitete seit vielen Jahren mit der Deutschen Bahn zusammen, organisierte Feierlichkeiten bei der Neueröffnung von Bahnhöfen und begleitete nach eigenen Angaben unter anderem die Amtseinführung von Hartmut Mehdorn.

Die Bahn vergab im Laufe der Jahre Aufträge im mittleren zweistelligen Millionenbereich an Europromotion. Ab 1999 jedoch stellte sie die Zahlungen ein, weil die Konzernrevision Rechnungen von Europromotion als überhöht und undurchschaubar einstufte. Bei der Bahn glaubte man, der Mitarbeiter, der den Vertrag mit Europromotion geschlossen hatte, habe sich dafür bestechen lassen.

Bei der so genannten "Forderungsabwehr" vertraute die Bahn zunächst auf einen Mitarbeiter, der von der Kanzlei Oppenhoff & Rädler in die Rechtsabteilung der Bahn gewechselt war. Er habe sich erinnert, dass die Kanzlei in solchen Fällen mit der Detektei Argen in Köln zusammengearbeitet hätte.

Die Argen GmbH wurde 1977 von dem britischen Ex-Spion John Fairer-Smith gegründet. Ihre Spezialität: das Beschaffen von Kontoauszügen. Argen lieferte innerhalb kurzer Zeit die Bankdaten des Mitarbeiters und beschaffte nach Zeugenaussagen auch Bankdaten von Europromotion. Außerdem sollen in den Berichten von Argen auch Informationen enthalten gewesen sein, die aus der Steuerakte von Europromotion stammen mussten. Wie Argen an diese Daten kam, ist unbekannt - die Detektei lehnt seit Wochen jede Stellungnahme ab.

Seite 1:

Zahlreiche Mitwisser bei Bahn-Affäre

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%