Apotheken
Medikamente aus dem Supermarkt?

Der deutsche Arzneimittelmarkt verändert sich rapide, die Machtverhältnisse zwischen Herstellern und Händlern verschieben sich: Das Handelsblatt gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Zukunft der deutschen Apotheken.

FRANKFURT. Rewe denkt über eine Apothekenkette nach, Schlecker steigt in den Medikamentenversandhandel ein – der deutsche Apothekenmarkt steht vor einem Umbruch. Fällt das Fremd- und Mehrbesitzverbot – und viele Zeichen deuten darauf hin – können Kapitalgesellschaften Apothekenketten betreiben. Die Kräfteverhältnisse auf dem deutschen Medikamentenmarkt werden sich völlig verschieben, erwarten Experten.

Werden wir in Deutschland künftig Kopfschmerztabletten im Supermarktregal finden?

Nein, denn auch wenn das Fremd- und Mehrbesitzverbot fällt: Die Apothekenbetriebsverordnung und die Apothekenpflicht bleiben gültige Rechtsgrundlagen. Das heißt, Apotheken in Supermärkten müssen in einem abgeschlossenen Bereich eingerichtet sein, und apothekenpflichtige Medikamente wie Kopfschmerztabletten dürfen nur durch entsprechend ausgebildetes Personal abgegeben werden.

Werden künftig die Apotheken in Super- und Drogeriemärkten wie Pilze aus dem Boden schießen?

Das ist wenig wahrscheinlich. Denn die Anforderungen an die Größe und Ausstattung einer Apotheke stellen gewisse Zugangshürden dar. Nicht in jeder Supermarktfiliale wird genug Platz sein, außerdem kostet es nach Einschätzung von Experten einen sechsstelligen Betrag, eine Apotheke mit vorgeschriebenem Labor einzurichten.

Welche Chancen hat die inhabergeführte Apotheke?

Es ist offen, wie viele Apothekenketten sich nach einem Fall des Fremd- und Mehrbesitzverbots in Deutschland etablieren werden. Großhandelsvertreter wie Stefan Meister, stellvertretender Vorstandschef von Celesio, gehen nicht davon aus, dass die Individual-Apotheke verschwindet. Meister verweist einerseits auf den liberalisierten Schweizer Markt, in dem lediglich 20 Prozent von Ketten kontrolliert werden, andererseits auf Großbritannien, wo Apothekenketten 55 Prozent des Marktes halten. Der selbstständige Apotheker wird sich allerdings im schärfer werdenden Wettbewerb verstärkt durch Beratungs- und Serviceangebote profilieren müssen.

Wie wird sich der Arzneimittelvertrieb in Deutschland verändern?

Vertreter der Pharmaverbände rechnen damit, dass der Anteil der Direktverträge zwischen Apotheken und Herstellerfirmen deutlich steigen wird. 2007 machten Direktbelieferungen an die öffentlichen Apotheken 16 Prozent des Marktes aus, 84 Prozent des Apothekeneinkaufs wurden über den Großhandel abgewickelt. Drogerie- und Supermarktketten können bei entsprechender Größe im Apothekenmarkt eine Einkaufsmacht aufbauen und Rabatte für die Medikamente aushandeln.

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