Apothekenmarkt
Herbe Schlappe für Schlecker und Celesio

Die erhoffte Zeitenwende auf dem deutschen Apothekenmarkt wird vermutlich ausbleiben: Nach dem Plädoyer des Generalanwaltes beim EuGH dürfen Medikamente wohl auch zukünftig nur in Apotheken verkauft werden. Drogisten wie Schlecker und DM trifft diese überraschende Nachricht genauso hart wie den Pharmahändler Celesio.

gie/HB LUXEMBURG. Von außen sieht der Schlecker aus wie jeder andere. Nur das kleine grüne Kreuz über dem Eingang verrät, dass es hier Medikamente zu kaufen gibt. Das ist in Tschechien Alltag, in Deutschland aber verboten. Arzneimittel in der Drogerie, im Lebensmittelmarkt, selbst in Parfümerien wie Douglas. So sollte der neue „Apothekenmarkt“ in Deutschland aussehen. Doch nun kommt alles anders.

Denn Apotheken dürfen nach Ansicht des Generalanwaltes beim EuGH auch weiterhin in Deutschland nur von zugelassenen Apothekern geführt werden. Das gelte sowohl für den Besitz als auch für den Betrieb von Apotheken, erklärte Generalanwalt Yves Bot am Dienstag in Luxemburg. Die entsprechenden Rechtsvorschriften in Deutschland und Italien seien gerechtfertigt. Die Ansicht des Generalanwalt ist für das Gericht nicht bindend, wird aber meistens befolgt.

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt und die Pharma-Industrie begrüßten die Stellungnahme. Mit einem Urteil wird im kommenden Jahr gerechnet.

Ministerin Schmidt sagte am Rande eines Treffens mit ihren europäischen Amtskollegen in Brüssel, Bots Auffassung decke sich mit der Berlins. „Wir haben immer gesagt, dass die Organisation des Gesundheitswesens in die Kompetenz der Mitgliedstaaten fällt.“ Sie fügte hinzu: „Uns kommt es darauf an, dass eine Apotheke nur von einem Apotheker geleitet wird und auch nur im Besitz eines Apothekers ist.“

Dieses Plädoyer hatten Handelsexperten wie Volker Dölle von Dölle Management Consulting nicht unbedingt erwartet: „Der Tenor des Plädoyers hat mich nur teilweise überrascht. Am Apotheker als Betreiber kommt danach auch in Zukunft keiner vorbei, was jedoch nicht ausschließt, dass sich dieser langfristig in einer anderen Kooperationsform und wirtschaftlich unterstützenden Umgebung einbringt.“

Die Aktie des Pharmahändlers Celesio büßte nach der Einlassung aus Luxemburg mehr als 13 Prozent ein und war größter Verlierer im Nebenwerteindex MDax. Fritz Oesterle, Vorsitzender des Vorstands der Celesio AG, sieht positiv, dass die Unsicherheiten nun bald beendet sein dürften: "Für uns wird mit dem Urteil des EuGH endgültig Klarheit über die weitere Entwicklung des deutschen Apothekenmarktes herrschen".

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