Apothekenurteil
Niederlage für Celesio, Schlecker & Co

Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), nach dem Apothekenketten in Deutschland verboten bleiben, hat weit reichende Konsequenzen. So kann die niederländische Internet-Apotheke Doc Morris, eine Tochter des Stuttgarter Pharmahändlers Celesio, nicht im großen Stil mit eigenen Filialen in Deutschland expandieren. Und Celesio ist nicht der einzige Verlierer.

HB DÜSSELDROF. Mit einem Umsatz von gut 35 Milliarden Euro im Jahr zählt der deutsche Apothekenmarkt zu den weltgrößten. Daran wollte der Pharmahändler Celesio, der mehrheitlich dem Familienunternehmen Haniel gehört und im Ausland bereits gut 2 300 Apotheken betreibt, mit Hilfe von Doc Morris einen bedeutenden Anteil erobern. Die Aktie von Celesio brach unmittelbar nach dem Urteil um neun Prozent ein.

Celesio sieht in der gescheiterten Öffnung des deutschen Apothekenmarktes aber keine Gefahr für seine langfristigen Geschäftsziele. Auch Analysten sehen das Geschäftsmodell nicht gefährdet. "Es ist gut, dass nun aus europarechtlicher Sicht Klarheit zur Frage des Fremdbesitzverbots von Apotheken in Deutschland herrscht", sagte Vorstandschef Fritz Oesterle am Dienstag in Stuttgart. "Mit diesem Urteil ist jedenfalls bis auf weiteres Planungssicherheit für Celesio gegeben." Celesio und DocMorris würden sich jetzt auf den Ausbau des Markenpartnergeschäfts und des Versandhandelsgeschäfts konzentrieren.

Trotz der Schlappe vor Gericht will Doc Morris sein Geschäft weiter ausbauen. "Doc-Morris-Apotheken wird es in allen Städten, an allen signifikanten Straßenecken und in vielen Supermärkten geben. Wir werden uns aus dem Apothekengeschäft nicht zurückdrängen lassen", erklärte Firmenchef Ralf Däinghaus am Dienstag nach der Urteilsverkündung in Luxemburg. "Wir halten an unseren Zielen fest, bis zum Jahr 2011 wollen wir 500 Markenpartner-Apotheken haben."

Die Markenpartner-Apotheken sind Franchisebetriebe mit Doc-Morris-Logo, deren Eigentümer aber deutsche Apotheker sind. In Deutschland gibt es nach Angaben von Däinghaus schon fast 150 solcher Doc-Morris-Apotheken. Vor dem EuGH scheiterte das niederländische Unternehmen aber mit dem Versuch, künftig selbst als Eigentümer Apotheken in Deutschland zu gründen.

Auch etliche andere, vor allem nicht börsennotierte Unternehmen hatten auf einen Fall des deutschen "Apothekengesetzes" spekuliert und sich entsprechend in Stellung gebracht. Vor allem Drogerien wie Schlecker oder DM hatten gehofft, bald Medikamente verkaufen zu können. Außerdem schielten die Versandhändler Quelle, Amazon und Otto auf das einträgliche Geschäft, genau wie auch der Lebensmittelhändler Tengelmann oder die Parfümeriekette Douglas. Für sie bleibt ein gewaltiger Markt mit rund 21 000 Apotheken vermutlich verschlossen. Das ist für die Unternehmen ein harter Schlag, der vor dem Plädoyer des Generalanwalts nicht erwartet worden war.

Gewinner des Urteils sind die deutschen Apotheker. Sie waren von der Politik unterstüzt worden. So hatte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt stets betont: "Uns kommt es darauf an, dass eine Apotheke nur von einem Apotheker geleitet wird und auch nur im Besitz eines Apothekers ist."

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