Appel signalisiert Sparwillen des Managements
Post sagt Tagung der Führungskräfte ab

Die Deutsche Post hat ihr für den Januar 2009 in Barcelona geplantes Führungskräftetreffen überraschend abgesagt. Angesichts des Rückzugs aus dem US-Geschäft mit Eilsendungen und dem 2009 geplanten milliardenschweren Kostensenkungsprogramm im Konzern verzichtet Post-Chef Frank Appel auf das Top Executive Meeting. Dies bestätigte die Post dem Handelsblatt.

DÜSSELDORF. Appel will damit offenbar ein Signal an die 470 000 Mitarbeiter des Konzerns senden, die im Zuge der Sparmaßnahmen von Personalabbau betroffen sind. Allein in den USA fallen in der Express-Sparte, die nahezu komplett aufgegeben wird, 15 000 Arbeitsplätze dem Rotstift zum Opfer.

Gleichzeitig gibt es in Deutschland einen Streit mit den Gewerkschaften, die einen Personalmangel im Briefbereich beklagen. So sah sich die Post gezwungen, die Zeitarbeitsverträge von rund 800 Postboten zu verlängern, um Lücken zu schließen. Zuvor waren bereits rund 1 000 Zusteller vorübergehend neu eingestellt worden, da Briefe liegen geblieben waren. Die Gewerkschaft Verdi fordert die Einstellung von 10 000 zusätzlichen Postboten. Appel hat die Prüfung der Beschwerden zugesagt. Die Post beschäftigt 80 000 Briefträger, die täglich 70 Mio. Sendungen verteilen. Die Post-Manager könnten nicht in Barcelona feiern, wenn die Hütte brennt, heißt es deshalb im Unternehmen. Das Post-Management habe zudem im Moment wichtigere Dinge zu erledigen.

Appel will die Führungskräfte des Konzerns nun erst Anfang März informieren und dazu in die Post-Zentrale nach Bonn einladen. Allerdings wird es nur eine abgespeckte Tagung geben. Denn zu diesem "Group Strategy Meeting", kurz GSM, wird nur die erste und zweite Führungsebene geladen, um das Reisebudget zu schonen. Appel will anschließend noch im März weltweit auf Bereichs- und Regionalebene alle Manager informieren. Es sei billiger, wenn Appel allein reist, als wenn alle reisen müssen, so Post-Kreise.

Das nun abgesagte Top Executive Meeting im Frühjahr hat Tradition bei der Post. In den drei Jahren zuvor trafen sich die Manager in Interlaken in den Schweizer Bergen. Appel-Vorgänger Klaus Zumwinkel, der Anfang des Jahres wegen einer privaten Steueraffäre seinen Stuhl räumen musste, gilt als begeisterter Alpinist. Mit dem Wechsel des Tagungsortes nach Spanien wollte Appel offenbar eigene Akzente setzen.

In Barcelona wollte Appel eigentlich eine neue Konzernstrategie verkünden. Titel: Vision 2015. Appel will den Konzern nach dem Verkauf der Postbank auf das Kerngeschäft Logistik fokussieren. Alle Angebote von Express, Spedition (Forwarding/Freight) über Lagermanagement (Supply Chain/CIS) und Brief sollen enger miteinander verzahnt werden. Dazu wollte er konkrete Beispiele nennen. Nun werden die Manager erst im März darüber informiert.

Vor hohen Erwartungen an die neue Strategie hatte Appel allerdings erst kürzlich gewarnt. Es seien keine Schlagzeilen zu erwarten. Appel will vor allem das "enorme organische Wachstumspotenzial" des Konzerns heben. Die Zeit der großen Akquisitionen sei vorüber. Das Programm wird daher eine Fülle von einzelnen Maßnahmen enthalten, um Synergien im Konzern besser zu nutzen. Ziel sei es etwa, die Prozessketten der Kunden in der Logistik zu vereinfachen. Appel setzt auf den Trend zur Ausgliederung von Logistikleistungen, womit Unternehmen Kosten sparen können.

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