Aral baut Allianz mit Rewe aus
Hähnchen, Schnitzel und Benzin

Die niedrigen Benzinpreise ziehen immer mehr Kunden an die Tankstellen des Marktführers. Durch die Zusammenarbeit mit Rewe wird die Produktauswahl an den Stationen künftig deutlich größer - zum Nutzen beider Unternehmen.

DüsseldorfDie niedrigen Kraftstoffpreise lockten im vergangenen Jahr mehr Autofahrer an die Tankstellen der BP-Tochter Aral. „Die Autofahrer haben sich weniger preissensibel verhalten“, sagte Patrick Wendeler, der neue Vorstandsvorsitzende der Aral AG. Zwar habe der Preiswettbewerb der Tankstellen untereinander ebenso zugenommen wie der Wettbewerb bei der Versorgung der mobilen Kunden durch Shops, dennoch konnte der Marktführer nach eigenen Angaben seine Position nicht nur festigen sondern noch ausbauen. Deutliche Zuwächse seien beim Kraftstoffabsatz verzeichnet worden, auch die Geschäftsbereiche Autowäsche und Shop einschließlich Food Service florierten.

Insgesamt habe Aral im vergangenen Jahr rund 7,5 Millionen Tonnen Kraftstoffe verkauft. Das waren 3,9 Prozent mehr als im Vorjahr; konkrete Finanzangaben macht die BP-Tochter traditionell nicht. Nach Berechnungen des Energie Informationsdienstes EID kommt Aral damit nun auf einen Marktanteil von rund 21,5 Prozent am gesamten Kraftstoffverkauf der deutschen Tankstellen und liegt damit vor Shell, die mit einem Anteil von 20 Prozent Platz zwei belegen.

Verdient wird an den Tankstellen aber nicht mit Sprit, sondern vor allem im sogenannten Shop-Geschäft. Darauf entfielen im vergangenen Jahr 61 Prozent des Einkommens der Pächter. Autowäschen und der Verkauf von Kraft- und Schmierstoffen steuern jeweils nur noch einen Anteil von 18 beziehungsweise 11 Prozent zum Ertrag bei. Zumindest an den meisten der 1210 konzerneigenen Stationen von Aral soll der Shop-Anteil noch steigen. Wie bereits angekündigt, baut die BP-Tochter ihre Zusammenarbeit mit dem Handelskonzern Rewe kräftig aus.

„Frisch und gesund“ sollen die Einkäufe deutscher Kunden sein. Und es muss schnell gehen, begründet Rainer Kraus, Leiter strategische Kooperationen bei Aral, die künftig noch engere Zusammenarbeit mit Rewe. „Die Menschen wollen den Einkauf von Lebensmitteln mit anderen notwendigen Dingen des Alltags sinnvoll verknüpfen und sind hierfür auch bereit, bei entsprechender Qualität und Erreichbarkeit einen höheren Preis zu zahlen“, sagte Kraus. Ein Verhalten, das sich auch für Rewe auszahlt. In den geplanten „Rewe to go“-Shops liegen die Preise um bis zu zehn Prozent höher als in den normalen Rewe-Supermärkten.

Das Angebot an den Tankstellen reicht von heißen Gerichten wie Hähnchen oder Schnitzel über Sandwiches, Salate und Sushi bis zu einem ausgewählten Sortiment an Lebensmitteln. Natürlich wird es auch weiterhin die Klassiker der Unterwegs-Verpflegung geben wie Schokoriegel und Kaffee.

„Jeden Tag werden wir einen Rewe to go eröffnen“, kündigte Kraus an. Ausnahme sei jeweils die baufreie Zeit im Winter. Bis zum Jahr 2021 will der Konzern alle geplanten Standorte umgerüstet haben. Basis für die ambitionierten Pläne ist ein Pilotprojekt an zehn Tankstellen, das über knapp zwei Jahre lief. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Laut Aral wurde ein „deutliches Umsatzplus im zweistelligen Bereich“ erzielt. „Kunden besuchten die Tankstelle häufiger und kauften mehr“, so Kraus. Gleichzeitig sei der Anteil der Frauen im Shop um drei Prozent gestiegen.

Leidtragender der neuen Aral-Strategie wird unter anderem das Großhandelsunternehmen Lekkerland sein, dem nach einer Übergangsphase bestenfalls noch die 800 konzernunabhängigen Aral-Tankstellen bleiben. Aral-Chef Wendeler wollte sich nicht festlegen, wie viel Aral in den Ausbau investieren wird. Im zurückliegenden Jahr habe der Marktführer 83 Millionen Euro in sein Tankstellennetz investiert. Durch „Rewe to go“ könnte dieser Betrag noch größer ausfallen, so Wendeler.

Zuversichtlich dürfte ihn auch der Blick auf die Benzinpreise stimmen, die an den Zapfsäulen ihren Schrecken zumindest zum Teil verloren haben. Mit höheren Preisen laufen die Markentankstellen Gefahr, dass die Autofahrer an freie Stationen ausweichen, die im Schnitt etwas günstiger sind. Mit dem Rohölpreis, der sich inzwischen oberhalb von 40 Dollar je Barrel etabliert hat, sind zwar auch die Benzinpreise gestiegen, sie liegen aber immer noch deutlich niedriger als vor zwei Jahren. „Die dreimonatige Dauertalfahrt ist im März beendet worden“, stellt das Verbraucherinformationsportals clever-tanken.de fest und auch im April seien die Preise noch einmal gestiegen. „Mittelfristig betrachtet bleibt es dennoch günstig.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%