Arbeitsbedingungen: Von der Leyen nimmt Amazon ins Visier

Arbeitsbedingungen
Von der Leyen nimmt Amazon ins Visier

Nach der Aufdeckung von Missständen bei Auftragsunternehmen des Versandriesen Amazon droht einer Leiharbeitsfirma der Lizenzentzug. Die Politik fordert Aufklärung über Arbeitsbedingungen der Beschäftigten.
  • 21

Berlin/MünchenBundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat Aufklärung über die Arbeitsbedingungen von Saisonarbeitern beim Internet-Versandhändler Amazon gefordert. „Der Verdacht wiegt schwer, deswegen müssen jetzt so schnell wie möglich alle Fakten auf den Tisch“, sagte die Ministerin der „Welt am Sonntag“. In Kürze werde der Bericht von Sonderprüfern vorliegen, sagte die CDU-Politikerin der Zeitung. In einer ARD-Dokumentation waren die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern am hessischen Amazon-Standort Bad Hersfeld gezeigt worden.

In der am Mittwochabend ausgestrahlten Reportage wurde angeprangert, dass während des Weihnachtsgeschäfts Leiharbeiter aus dem Ausland - Spanien und Polen - in überbelegten Ferienwohnungen untergebracht, schlechter bezahlt als versprochen und stundenlang in Bussen hin und her gefahren wurden. Die Sozialbeiträge für die Beschäftigten seien zudem nicht korrekt abgeführt worden.

Zudem berichteten die Autoren des ARD-Beitrags im Hessischen Rundfunk, die ausländischen Arbeitsnehmer seien von dem Sicherheitsdienst H.E.S.S. auf Schritt und Tritt kontrolliert worden. Die Firma, die in ihrer Abkürzung den gleichen Namen wie Hitler-Stellvertreter Rudolf Hess trägt, soll demnach Kontakte in die Neonazi-Szene haben. Mitarbeiter hätten neonazi-typische Kleidungsmarken getragen und der Geschäftsführer der Firma zeige sich auf Fotos im Internet mit verurteilten Rechtsextremen, erklärten die ARD-Journalisten.

Im Hessischen Rundfunk berichtete die Autorin des ARD-Beitrags, Diana Löbl, weiter, die ausländischen Arbeitnehmer würden sich nicht beschweren. "Ein Gewerkschaftssekretär sagte zu uns, die Leiharbeiter seien faktisch rechtlos." Sie lebten nur für einige Wochen in Deutschland, die Arbeitsbedingungen seien ihnen auch ziemlich egal. Co-Autor Peter Onneken sagte: "Die Leiharbeiter tauchen auch in unserem Alltag nicht auf, etwa in einer Fußgängerzone. Sie leben in Feriendörfern, die im Winter sonst völlig verwaist wären. Es ist, als wären sie gar nicht da."

Kommentare zu "Von der Leyen nimmt Amazon ins Visier"

Alle Kommentare
  • Der Brief musste dennoch positiv aufgefallen sein, da ich eine rasche Antwort erhalten habe. Ob jedoch unsere Anliegen ernst genommen werden, das ist hier die Frage. Übrigens "von der Leyen" schreibt man groß: Von der Leyen.

  • @arminharald: doch es gibt Alternativen zu den Blockparteien im deutschen Bundestag, z.B. die Wahlalternative 2013!

  • Hartz4 hat damit eigentlich nichts zu tun, sondern die damals neuen Gesetze über Leiharbeit usw.
    Das sollte neue Arbeitsplätze schaffen, hat es auch,
    aber was für welche ?!

    Der Initiator gerhard Schröder hat mittlerweile selber zugegeben dass da einige absichernde Komponenten wie z.B ein gestzlicher Mindestlohn fehlen.
    Warum die Medien darüber nur so am Rande berichteten ist eine andere Frage .....

    Fakt ist, das Teilen der CDU und der ganzen FDP diese "Reformen" noch nicht weit genug gehen !
    Insofern ist Frau von der Leyen, auch wenn sie es ernst meint das zie,lich auf verlorenen Posten.
    Vor allem die Dame mit den hohen Symphatiewerten (warum auch immer), unsere Kanzlerin, wir sie da wohl nicht unterstützen.

  • Tariflohn Friseurhandwerk Sachsen unterste Stufe nicht einaml 4EUR/h. Seit 1990 Unterschiede in der Bezahlung Ost. Montage- und Handwerkertrupps, die am Montag von Sachsen, Thüringen, MV oder anderen NBL in Richtung ABL aufbrechen und am Freitag in Arbeitsklamotten die Rückreise antreten. Stundenlöhne meist unterirdisch, Unterbringung teilweise 4 Personen im kleinen Camping-Wohnwagen. Aber dann über Amazon aufregen. Irgendwas stimmt da nicht. Anstatt hier einmal die Hintergründe zu beleuchten, wird medienwirksam ein Sturm der Entrüstung entfacht, der an Lächerlichkeit kaum noch zu überbieten ist. Shame on you Medien, Politik und Gewerkschaften.

  • Dann sollten Sie UNBEDINGT mehr HUMOR anlegen. Deutsche Bissigkeit ist im Ausland nicht gefragt; auch die Norweger sollen abgrenzend, sehr eigen sein. Das machen die Fjorde. Dann lieber die Schweiz.

  • Danke für die Reihung - werde ich mir nun genauer ansehen ob man dort genauso etwa krankenvesichert wäre wie in D - trotz allen Veränderungen seit 2005. Als Privatier könnte ich bald starten.

  • Zitat : arminharald

    Zitat : statt zu meckern, nennen Sie uns doch mal bitte ein wählbare Alternatve

    Alternativen sind für alle Schichten da, die Piraten, die Freien Wähler, die Republikaner, etc. !
    Damit diese über 5 % kommen, sollte man auch wählen gehen.....!!!

  • Von der Leyen? Na dann viel Spass beim weiteren ausbeuten.

  • Die Leiharbeitsfirmen sind eine Zeckenindustrie, die trocken gelegt gehört! Ich bin für doppelte Steuern für alle diese Firmen, die Geld von der Arbeit anderer abzwacken! Zudem spriessen immer mehr von denen wie Pilze aus dem Boden und machen Generalverträge mit großen Firmen, die Leiharbeiter und Externe benötigen. Das ist wie eine illegale Extrasteuer auf Externe oder wie Unterschlagung von Sozialabgaben bei angestellten Leiharbeitern. Das ist ein Sumpf!!!

  • Mhm, Norwegen, Färör, Island, Azoren, Niederländische Antillen, La Réunion kann man nur empfehlen zum Auswandern! Man kann sogar teilweise weiter mit Euro zahlen.

Serviceangebote