Arbeitsgericht

Piloten der Air Berlin dürfen nicht streiken

Die Fluggesellschaft Air Berlin zieht gegen ihre Piloten vor Gericht. Die Folgen eines Streiks wären für den gesamten Verkehr massiv. Nicht nur der Flugverkehr würde leiden. Denn auch bei der Bahn droht Chaos – wegen der Furcht vor Anschlägen. Die Richter vom Arbeitsgericht Frankfurt untersagen den Streik.
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Air Berlin zieht gegen seine Piloten vor Gericht um einen Streik zu verhindern. Quelle: DAPD

Air Berlin zieht gegen seine Piloten vor Gericht um einen Streik zu verhindern.

HB FRANKFURT/DÜSSELDORF. Das Management von Air Berlin will den Streik der Piloten mit aller Macht verhindern. Vor dem Arbeitsgericht Frankfurt haben die Arbeitgeber jetzt einen Erfolg erzielt. Die Richterin untersagte der Pilotenvereinigung Cockpit (VC) den Arbeitskampf und folgte damit dem Antrag der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft auf Einstweilige Verfügung. Der Streik hätte sich auf das gesamte Bundesgebiet erstrecken sollen.

Die Argumentation von Air Berlin vor Gericht, zeige, dass bei dem Unternehmen kein ernsthafter Einigungswillen bestehe, sagte VC- Sprecher Jörg Handwerg. Er kündigte aber einen neuen Anlauf für einen Streik an: „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.“ Air-Berlin-Sprecher Peter Hauptvogel sagte, man hoffe nun, dass Cockpit an den Verhandlungstisch zurückkehren und möglicherweise auch einen Schlichter akzeptieren werde.

Das Unternehmen hatte den Antrag damit begründet, dass bei der Urabstimmung für den Streik nur über einen Teil und nicht über das Gesamtpaket des Ende August erzielten Verhandlungskompromisses abgestimmt worden sei. Damit sei die Abstimmung aus Sicht des Unternehmens ungültig, sagte Hauptvogel.

Dabei hatten sich die Piloten von Air Berlin und ihrer Tochter LTU im Oktober mit großer Mehrheit gegen den ausgehandelten Kompromiss ausgesprochen. Nach diesem Verhandlungsergebnis sollten die Arbeitsbedingungen der Air-Berlin-Piloten schrittweise bis 2013 an das bessere Niveau der Tochtergesellschaft LTU angeglichen werden. Die Vereinbarung regelte unter anderem Urlaub, die Zahl freier Tage und Dienstplanmodelle. Auch hatten sich beide Seiten darauf geeinigt, zum Sommerflugplan 2011 die Crews auf ausgewählten, besonders weiten Langstreckenflügen durch einen dritten Piloten zu verstärken.

Besonders diesen Punkt griff Richterin Frauke Denecke in ihrer Begründung auf. Entsprechende Langstreckenflüge gebe es bei Air Berlin derzeit noch nicht - lediglich bei der LTU. Ein Streik sei deswegen zum jetzigen Zeitpunkt nicht begründet. Cockpit war anderer Meinung.

Das Vorgehen des Managements um Konzernchef Joachim Hunold ist verständlich: Sollten die Piloten von Deutschlands zweitgrößter Airline wie angekündigt noch in dieser Woche streiken, wären die Folgen massiv. „Wir werden nicht nur an einzelnen Flughäfen streiken“, machte Jörg Handwerg, Flugkapitän und Sprecher der VC deutlich. Auch sei nicht ausgeschlossen, dass die Piloten der Air Berlin-Tochter LTU ebenfalls in den Ausstand treten würden.

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  • Dieses Urteil ist ein Chinesisches Urteil und neben
    der Scharia an Zivilgerichten, wird als nächstes wohl auch bei Grippe ein Streikverbot ausgesprochen.
    Das von allen Eigenschaften der DDR ausgerechnet das Justiz System übernommen wurde ist ja gediegen.
    Auch die Abmahnungen des Europäischen Gerichtshof zu Gesetzen und Urteilen zeigt, hier waren kleine Diktatoren am werkeln.

  • Politik und die politikhörige Judikative führen über die Hintertüre Zwangsarbeit und Leibeigenschaft ein. Ein Rückfall ins Mittelalter. Es wird Zeit, dass die deutschen Fachkräfte diesem Land den Rücken kehren und Platz machen für die gewünschte Zuwanderung im Mai 2011.

  • @Ankus:

    bitte, gern geschehen!

  • @ Weltenbummlerin

    ich danke fuer ihren konstruktiven beitrag, ist wahrscheinlich von jemandem, der sich bar jeglicher Verantwortung den Wind um die Nase wehen laesst, auch nicht anders zu erwarten

  • @Ankus;

    Arschloch!!!

  • Vielleicht treffen wir uns ja mal am Verhandlungstisch, was ich brauche, setze ich durch, sorry.

  • @ Ankus
    bis jetzt habe ich meine bedingungen durchgesetzt, u.a. eine Preissenkung von 10% bei einem Premium-Lieferanten, der sehr genau wusste, dass er bei uns ein Quasi-Monopol besitzt. Man darf die Macht und das Verhandlungsgeschick der Einkäufer nicht unterschätzen.
    Sie scheinen - mit Verlaub gesagt - diesen Dingen etwas ferne zu stehen.

  • Mit einem derartigem Urteil kann man in Zukunft jeden grundrechtlich gesicherten Streik unterbinden. Demnächst werden die bürger bei Streiks generell bei Streiks durch Gerichte bei Zwangsandrohung zur Zwangsarbeit verpflichtet? Dann gehlt nur noch die begründung im Urteil "Arbeit macht Frei".

  • Wenn ihre Lieferanten zu ihren bedingungen nicht liefern wollen, suchen Sie sich andere, so, what?
    Wenn keine anderen Lieferanten zur Verfuegung stehen, muessen Sie, wohl oder uebel, die bedingungen des urspruenglichen Lieferanten akzeptieren, that's it !

  • Streik ist ein Relikt aus der Steinzeit der industrialisierung. Es ist absolut unverständlich, dass heute noch auf diese primitive Art verhandelt wird. Wenn ich mit meinen Lieferanten auch auf dieser untersten Stufe verhandeln würde, könnte man die Fertigung stillegen, was auch nicht im interesse der Lieferanten liegen würde.

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