Arbeitskämpfe
Wenn der Streik alltäglich wird

Die Lufthansa wird seit zehn Jahren von Ausständen geplagt. Kleinstgewerkschaften legen immer wieder den Betrieb lahm - und machen der Airline ihre Sparbemühungen zunichte. Eine Übersicht.
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FrankfurtLufthansa und Streiks - das ist seit Jahren ein Dauerthema. Nach dem ersten großen Ausstand der Piloten im Jahr 2001 sind Arbeitsniederlegungen einzelner Berufsgruppen für Deutschlands führende Airline fast schon zum Alltag geworden. Offensichtlich gelingt es dem Management nicht, Konflikte etwa über die Arbeitsbedingungen rechtzeitig zu entschärfen. Außerdem muss der Konzern mittlerweile mit einer Vielzahl von Kleingewerkschaften beinahe permanent Tarifverhandlungen führen - Verhandlungen, die von Streikdrohungen begleitet werden.

Wo einst im Rhythmus von ein bis zwei Jahren ein neuer Tarifvertrag für alle am Flugbetrieb beteiligten Arbeitnehmer verhandelt wurde, streiten und streiken jetzt einzelne Berufsgruppen für ihre Sonderinteressen. Ironischerweise war es die Lufthansa selbst, die vor gut zehn Jahren den Spartengewerkschaften die Tür öffnete, um so die Vormacht der großen Gewerkschaften zu brechen.

Damals erkannte das Management die Piloten-Vereinigung Cockpit (VC) freiwillig als eigenständigen Verhandlungspartner an. Allerdings traten die Piloten, anders als von der Lufthansa erhofft, nicht als freundliche Co-Manager auf. Die Piloten forderten vielmehr bis zu 30 Prozent höhere Gehälter und verfolgten eine aggressive Streikstrategie. Schon 2001 legten sie mehrere Tage lang die Arbeit nieder. Jeden Tag fielen mehr als 350 von insgesamt 1 100 Flügen aus. Lufthansa bezifferte den Schaden damals auf 150 Millionen Mark.

Es folgen weitere Streiks, weil sich immer mehr Spartengewerkschaften bildeten - auch außerhalb der Lufthansa, bei Systempartnern wie Flughafenbetreibern oder der Flugsicherung DFS. 2008 rief Verdi das Bodenpersonal zum Streik auf. Fünf Tage dauerte der Ausstand, am Ende gab es eine zweistufige Lohnerhöhung um 7,4 Prozent.

2008 legten die Piloten der Regionaltochter Lufthansa Cityline die Arbeit nieder. Der Streik dauerte 36 Stunden, 900 Flüge fielen aus. 2010 rief erneut die VC zum Streik auf, dieses Mal die Piloten der Kernmarke Lufthansa - und das gleich für vier Tage. Nach einem Streiktag und einer Klage von Lufthansa gegen den Ausstand einigte man sich vor Gericht auf eine Schlichtung. Die Lufthansa bezifferte den Schaden auf 48 Millionen Euro. Anfang 2012 streikten die in der Lotsengewerkschaft GdF organisierten Vorfeldmitarbeiter des Flughafenbetreibers Fraport in Frankfurt. Der Arbeitskampf dauerte fünf Tage, Lufthansa schätzte den Schaden auf einen hohen zweistelligen Millionenbetrag. Im März rief Verdi das Bodenpersonal zu Warnstreiks auf, 500 Flüge fielen aus. Morgen streikt wieder das Kabinenpersonal. Jens Koenen

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

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