Arbeitskampf
Bahn-Streik alarmiert Unternehmen

Nach der Ankündigung der Lokführergewerkschaft GDL, am Donnerstag den Güterverkehr lahmzulegen, befürchten die Konzerne mitunter massive Produktionsausfälle. Die ersten Unternehmen arbeiten daher bereits an Notfallplänen. Von diesen und dem weiteren Vorgehen der Lokführer hängt schließlich auch ab, wie hoch der volkswirtschaftliche Schaden ausfallen wird.

HB DÜSSELDORF. Die am Donnerstag beginnenden Streiks der Lokführer werden wichtige Bereiche der deutschen Wirtschaft empfindlich treffen. Automobilkonzerne, Chemieunternehmen und Stahlhersteller befürchten Produktionsausfälle. Der Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Manfred Schell, kündigte an, der Arbeitskampf werde mit einer bundesweiten Blockade des Güterverkehrs beginnen. Dadurch könne es auch zu Verspätungen im Personenverkehr kommen.

Zuvor hatten die GDL-Mitglieder in einer Urabstimmung mit 95,8 Prozent für einen unbefristeten Streik bei der Deutschen Bahn gestimmt. In der GDL sind fast zwei Drittel der 20 000 Lokführer organisiert. Schell forderte das Bahn-Management am Montag ultimativ auf, bis Dienstag 18.00 Uhr ein „tragfähiges“ Angebot vorzulegen. Neben deutlichen Einkommenserhöhungen verlangt die GDL vor allem einen eigenen Tarifvertrag. Bahn-Personalvorstand Margret Suckale lehnte das Ultimatum ab und erklärte, das Unternehmen werde die Frist verstreichen lassen. Damit steht die Bahn mitten in der Urlaubszeit vor dem größten Streik seit 15 Jahren.

Die deutschen Unternehmen alarmiert vor allem, dass Gewerkschaftschef Schell nicht ausschließt, den Arbeitskampf „über eine längere Zeit zu führen“. In diesem Fall könne dem Sportwagenhersteller Porsche „ein enormer wirtschaftlicher Schaden entstehen“, sagte ein Unternehmenssprecher. Die Karosserie-Lieferungen an das Werk Leipzig seien von der Bahn abhängig und könnten kurzfristig nicht auf die Straße verlagert werden. Ab Mitte August drohe dem Werk damit Produktionsstillstand.

Auch den Europas größter Autobauer Volkswagen würde ein Arbeitskampf treffen. „Wir nehmen den Streik mehr als ernst“, sagte ein Sprecher. Volkswagen rechnet durch den bevorstehenden Streik täglich mit Schäden in Millionenhöhe. Analysen im Vorfeld des von der Lokführergewerkschaft angekündigten Arbeitskampfs hätten ergeben, dass durch Produktionsausfälle bei einem durchschnittlichen Automobilwerk mit einem Schaden in dieser Größenordung gerechnet werden müsse, hieß es in Wolfsburg. Derzeit würden Strategien für ein Ausweichen der Transporte auf die Straße erarbeitet, sagte der Sprecher weiter.

BMW arbeitet ebenfalls an „Notfallplänen“ für die Zeit nach den Werksferien, die Mitte August vorbei sind. „Wir versuchen zusätzliche Kapazitäten bei LKW-Spediteuren einzukaufen“, sagte ein BMW-Sprecher. Dies sei aber schwierig, „weil das andere auch versuchen“. Von den 3 500 Autos, die BMW pro Tag in Deutschland baut, werden 55 Prozent über die Bahn zu den Händlern transportiert. „Auf einen Güterzug gehen 200 Autos, auf einen LKW nur acht“, sagte der BMW-Sprecher. VW hat in Wolfsburg eine Task-Force eingerichtet, die versuchen soll, die Lieferungen auf die Straße zu verlagern.

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