Arbeitskampf der Lufthansa-Piloten
Willkommen bei der Zoffhansa!

Lufthansa und Piloten sind wie ein zerstrittenes Ehepaar: Sie zoffen sich, können aber nicht ohne einander. Die Argumente sind längst ausgetauscht, die Diskussion wirkt fast wie ein Bullshit-Bingo. Spielen Sie mit!
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DüsseldorfSie streiten schon wieder. Lautstark, unerbittlich und unversöhnlich. Mittlerweile erinnern die Lufthansa und ihre Piloten an eine tief zerrüttete Ehe. Beide Partner zoffen sich unentwegt. Da wird moralisiert und gezetert, gedroht und erpresst. Und die ganze Nachbarschaft – sprich: die Öffentlichkeit – muss sich das unwürdige Schauspiel seit fast einem Jahr anhören.

Wie bei jedem Ehestreit ist der Anlass nur das Ventil für einen viel größeren Konflikt. Vordergründig geht es darum, ob die Lufthansa-Kapitäne auch künftig mit 59 in den bezahlten Vorruhestand gehen dürfen oder bis zum Alter von 61 Jahren weiterfliegen müssen. Die Gewerkschaft Cockpit verlangt, dass Piloten weiterhin früher in Rente gehen können. Doch erst dahinter steht der eigentliche Konflikt. Der dreht sich um die neue Billigstrategie des Konzerns.

Das Kalkül der Lufthansa mag noch so verklausuliert formuliert sein, konkret plant sie, ihr fliegendes Personal künftig weniger gut zu bezahlen, um im Preiskampf auf der Kurz- und Mittelstrecke mithalten zu können. Dafür ist man offenbar auch bereit, die Millionenschäden, die der Endlosstreit in der Bilanz hinterlässt, in Kauf zu nehmen.

Mittlerweile stellt sich nur noch die Frage, was länger hält – die Kasse der Streikenden oder die Geduld der Lufthansa-Aktionäre?

Selbst eine Paartherapie scheint den Konflikt aktuell nicht mehr lösen zu können. Bei Lufthansa und Piloten sind bisher alle Versuche der Schlichtung gescheitert. Mitte 2014 sprach sich die Fluggesellschaft dafür aus, einen externen Mediator zu verpflichten.

Doch selbst hier konnten sich Piloten und Lufthansa nicht auf einen geeigneten Konflikt-Entschärfer einigen. Am heutigen Montag haben nun die Flugbegleiter einen neuen Lösungsversuch gestartet: Ihre Gewerkschaft Ufo, die selbst in schwierigen Verhandlungen mit der Lufthansa steckt, schlägt gemeinsame Vermittlungsgespräche vor. Dabei ist eine Ménage-à-trois selten eine gute Idee, um eine Ehe zu retten.

Einem Paar würde man in einer ähnlichen Situation wohl längst eine Trennung empfehlen. Doch bei Lufthansa und Piloten ist das keine Option. Ohne Piloten hebt kein Flugzeug ab und umgekehrt. Finanziell haben die Piloten ohnehin wenig Interessen, sich nach einem neuen Partner umzusehen: Anderswo würden sie nicht so üppig verdienen – bei einem Wechsel der Airline können sie nämlich in der Regel ihre Dienstjahre nicht anrechnen lassen. Und bei Billigairlines wie Ryanair und Easyjet wird deutlich schlechter bezahlt.

So dürfte der öffentliche Streit noch lange weitergehen. Bis doch einer nachgibt, oder beide ein bisschen.

Können Sie die Diskussion auch nicht mehr hören? Am besten nehmen Sie es mit Humor – und spielen eine Runde Streik-Bingo! Und so geht es: Verfolgen Sie die Berichte über die Tarifverhandlungen. Immer wenn einer der unten genannten Sätze fällt, dürfen Sie ihn markieren. Haben Sie vier Kreuze in einer Reihe, haben Sie einen Freiflug gewonnen, der allerdings wegen des Streiks leider ausfallen muss. Wir bitten um Verständnis.

Bullshit-Bingo zum Pilotenstreik bei der Lufthansa

Kommentare zu " Arbeitskampf der Lufthansa-Piloten: Willkommen bei der Zoffhansa!"

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  • Das geht längst zu weit. Das Verhalten der Piloten ist staatsgefährdend; die Verantwortlichen müssen inhaftiert werden. Steht womöglich ein Komplott dahinter?

  • Genauso schlimm wie die AIR FRANCE!!! Bei einer Buchung hat man den Streik gleich mitgebucht !! Dann wundern sich alle, warum keiner mehr mit dem Saftladen fliegt !! Die Piloten können auch im Hotel saubermachen oder bei Mc Donald's arbeiten !

  • Besser, aber immer noch nicht nett. ;) Grüße aus der Redaktion! (sajo)

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