Arbeitsplatzabbau befürchtet
Tui enttäuscht Finanzexperten

Die Restrukturierungspläne der Tui AG sorgen für geteilte Reaktionen: Während Vorstandschef Michael Frenzel eine Neuorientierung sieht, bleiben Unternehmensbeobachter skeptisch. Hinzu kommen rote Zahlen und ein zu erwartender Abbau von insgesamt 3 600 Stellen.

HAMBURG. Mit Enttäuschung haben Finanzinvestoren und Analysten auf die Restrukturierungspläne des Reise- und Schifffahrtskonzerns Tui reagiert. Während Tui-Vorstandschef Michael Frenzel am Freitag von einer „Neuausrichtung der Tui“ sprach hatte, heißt es bei den professionellen Unternehmensbeobachtern einhellig, ein „großer Wurf“ sei der vom Aufsichtsrat einstimmig gebilligte veränderte Kurs der Tui nicht. Es werde nur an den Symptomen herumgedoktert, ohne wirklichen Strategiewandel.

Erwartungsgemäß plant der Konzern den Abbau von 3 600 Stellen. Allein in Großbritannien sollen 2 600 Arbeitsplätze verschwinden, in Deutschland lediglich 400. Während hier zu Lande das lukrativere Pauschalreisegeschäft noch 45 Prozent des Umsatzes ausmache, verdiene Tui auf den britischen Inseln wesentlich schlechter, sagte Frenzel. Grund sei, dass im englischen Reisemarkt wesentlich mehr margenschwächere Billigflüge und individuelle Reisebausteine gebucht würden.

Das Internet-Geschäft will Tui aber auch in Deutschland ausbauen und den Umsatzanteil in den nächsten Jahren von 18 Prozent auf 25 Prozent erhöhen. „Der Einbruch bei der Pauschalreise, der das Englandgeschäft für Tui so schlecht gemacht hat, steht dem deutschen Markt noch bevor, das wird auch hier Arbeitsplätze kosten“, sagte Michael Gierse, Fondsmanager bei Union Investment, dem Handelsblatt. Und auch HVB-Analyst Christian Obst meint, es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis der Strukturwandel von der Pauschalreise zum Internet-Geschäft in Deutschland weitere Personal-Anpassungen notwendig mache.

Schlechte Zeiten auch für die Aktionäre: Wie von Analysten vorausgesagt, kann Tui aus dem operativen Geschäft heraus keine Dividende zahlen. Die Bilanz des laufenden Jahres werde einen „dramatischen Verlust zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Euro“ ausweisen, prognostizierte ein weiterer Analyst, der nicht genannt werden wollte.

Er verwies darauf, dass die Kosten aus dem Personalabbau von etwa 140 Millionen Euro in die aktuelle Bilanz gepackt werden sollten. Weiterhin hatte Konzernchef Frenzel schon klargestellt, dass die Schifffahrtssparte wegen der hohen Integrationskosten der vor zwei Jahren von der Tui-Tochter Hapag-Lloyd gekauften kanadischen CP Ships in diesem Jahr ins Minus gerate. Außerdem kündigte Finanzvorstand Rainer Feuerhake an, Tui prüfe Firmenwertabschreibungen in Höhe „von mehreren 100 Millionen Euro“.

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