Arcandor
Kartellamt redet bei Karstadt-Kaufhof-Fusion mit

Das Kartellamt wird eine Verbindung von Karstadt und Kaufhof genau unter die Lupe nehmen. Über die Einschätzung von Metro-Chef Eckhard Cordes, es gebe bei diesem Deal "keine kartellrechtlichen Bedenken", wundert man sich in Bonn.

BERLIN. "Wir sehen das schon als einen Fall an, der geprüft werden sollte", sagt Kay Weidner, Sprecher der Bonner Behörde. Man befinde sich allerdings noch in einem sehr frühen Stadium. Bislang sei offen, welche Teile der beiden Warenhausunternehmen fusioniert werden sollen.

Über die Einschätzung von Metro-Chef Eckhard Cordes, es gebe bei diesem Deal "keine kartellrechtlichen Bedenken", hatte man sich in der Bonner Behörde schon länger gewundert. Das Signal des Kartellamtes habe in Gesprächen mit der Metro-Führung eindeutig in Richtung Prüfung gezeigt, heißt es in der Behörde.

Das Kartellamt will den Fall zwar schnell bearbeiten, weist aber darauf hin, dass eine Prüfung unter Umständen vier Monate dauern kann. Eine Entscheidung würde dann erst um die Zeit der Bundestagswahl am 27. September fallen. Sollte die Genehmigung zum Zusammenschluss verweigert werden, wäre das in dieser Phase wahltaktisch bedeutsam. Man gebe "keinem politischen Druck nach", heißt es im Kartellamt. Allerdings wird schon jetzt darauf verwiesen, dass die Bundesregierung Entscheidungen der Behörde durch Ministererlaubnis aufheben kann.

Die kartellrechtliche Prüfung der Deutschen Warenhaus AG würde sich auch deshalb in die Länge ziehen, weil zunächst nicht die deutsche Wettbewerbsaufsicht zuständig ist, sondern die Generaldirektion Wettbewerb in Brüssel. Grund: die beiden Unternehmen vereinen bei einer Fusion mehr als fünf Mrd. Euro Umsatz. Da allerdings der wettberbsrechtliche Schwerpunkt in einem einzigen Mitgliedstaat, nämlich in Deutschland, liegt, kann die Bundesregierung bei der EU einen Verweisungsantrag stellen.

Die letzten beiden großen Kaufhaus-Fusionen von Karstadt und Hertie sowie Kaufhof und Horten wurden Mitte der 90er- Jahre vom Kartellamt durchgewunken. Das kann jetzt bei Kaufhof-Karstadt allerdings anders aussehen. Man werde nicht einfach den deutschen Warenhausmarkt zugrundelegen können, sondern müsse entlang der Warensegmente prüfen, ob eine marktbeherrschende Stellung vorliege, sagt Weidner. Dabei stellt sich der Sektor Textilien ganz anders dar als beispielsweise die Sparte Elektroartikel. Mit Media-Markt und anderen schlagkräftigen Anbietern verfügt Metro bereits über ein erhebliches Marktpotenzial. Experten rechnen deshalb damit, dass vor allem in diesem Bereich Auflagen denkbar seien. Nicht zuletzt werden die Kartellwächter die Fusion wie bei der Edeka-Plus-Verschmelzung nach regionalen Schwerpunkten untersuchen. Die Insolvenz von Arcandor kann Metro-Chef Cordes jedoch wettbewerbsrechtlich von Nutzen sein. "Der Gedanke einer Sanierungsfusion", so Weidner, "würde wohl in die wettbewerbsrechtliche Bewertung einfließen".

Daniel Goffart
Daniel Goffart
Handelsblatt / Ressortleiter
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