Arcandor
Lieferanten bleiben Karstadt bislang treu

Trotz der Turbulenzen um den Mutterkonzern Arcandor behalten die Lieferanten von Karstadt bisher die Ruhe. Die Warenkreditversicherer stärken Arcandor bei den Verhandlungen mit den Banken. Indes wächst der Widerstand gegen Hilfen des Staates für den Konzern.

DÜSSELDORF. Trotz der ungewissen Zukunft von Arcandor herrscht bei den Lieferanten der Konzerntöchter Karstadt und Quelle offenbar noch Ruhe vor dem möglichen Sturm. "Bislang erhalten wir die volle Deckungszusage unseres Warenkreditversicherers", berichtete gestern ein großer Modehersteller dem Handelsblatt auf Anfrage.

Lieferanten widersprachen zudem Meldungen vom vergangenen Wochenende, wonach es bereits zu Schwierigkeiten bei der Warenversorgung komme. Unregelmäßigkeiten habe es noch nicht gegeben, erklärten Hersteller auf Anfrage. Auch ein Arcandor-Sprecher wies anders lautende Gerüchte scharf zurück. "Wir hatten bislang keine Zahlungsausfälle gegenüber Lieferanten", sagte er.

Im vergangenen September hatten Kreditversicherer wie Euler-Hermes ihre Haftungssummen limitiert, um im Insolvenzfall vor hohen Ausfällen gesichert zu sein. Weil die Hamburger Allianz-Tochter in der Folgezeit die Prämien deutlich erhöhte, wanderten zahlreiche Lieferanten von Karstadt und Quelle zum bis dato weitgehend unbekannten Wettbewerber Euro Delkredere ab. Der aber hält den Arcandor-Töchtern bislang offenbar die Treue. "Wir sind mit den Warenkreditversicherern in intensiven Gesprächen", erklärte dazu ein Arcandor-Sprecher.

Zudem hatten Kreise am Wochenende verbreitet, Arcandor habe die automatische Warenbestellung über das sogenannte "Electronic Data Interchange" (EDI) gekappt. Wie es gestern offiziell in Essen hieß, sei das automatische Bestellsystem lediglich für Randsortimente wie etwa den Heimwerkerbedarf abgeschaltet worden. "Wir fahren in einzelnen margenschwachen Warensegmenten bewusst die Umsätze zurück", erklärte ein Sprecher. Deshalb verzichte man auf die automatische Nachbestellung in diesen Warengruppen.

Weiterhin ungewiss ist, ob Arcandor Staatsbürgschaften für seine am 12. Juni zu verlängernden Kreditlinien erhält, ohne die der Essener Konzern in seiner Existenz gefährdet ist. Nach führenden Unionspolitikern äußerten gestern erstmals auch prominente SPD-Vertreter Zweifel an öffentlichen Garantien für den Konzern. Zu ihnen zählten Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit.

Auch die Grünen lehnen eine staatliche Bürgschaft für den angeschlagenen Handels- und Touristikkonzern ab. "Überkapazitäten und in Zukunft nicht lebensfähige wirtschaftliche Strukturen aufrechtzuerhalten, ist nicht staatliche Aufgabe", sagte die wirtschaftspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Bundestag, Kerstin Andreae, dem Handelsblatt. "Darum ist eine Staatsbürgschaft für Karstadt nicht der richtige Weg."

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