Arcandor
Middelhoffs Kartenhaus

Geht es nach Konzern-Chef Thomas Middelhoff, ist Arcandor so gut wie über den Berg. Doch für das Handelsgeschäft rund um Karstadt und Quelle darf getrost ein Fragezeichen gesetzt werden. Ist die Sanierung in Wirklichkeit gescheitert?

HB. Arcandor-Chef Thomas Middelhoff hält seinen Konzern für weitgehend saniert. Zu recht?

Nachdem der Konzern seit 2004 insgesamt 1,66 Mrd. Euro in die Sanierung gesteckt hat, sind nach Middelhoffs Ansicht nur noch 100 Mill. Euro bis zum endgültigen Turnaround im Herbst fällig. Doch für das Handelsgeschäft rund um Karstadt und Quelle darf dort getrost ein Fragezeichen gesetzt werden. Unterm Strich verloren beide Geschäftssparten 2007 Geld. Der große Durchbruch ist auch 2008 nicht in Sicht.

Wie viel Hoffnung steckt in Thomas Cook?

Die Touristikbeteiligung soll den angeschlagenen Handelskonzern retten. Der Ertragsbringer ist auch bitter nötig, denn die traditionelle Cash-cow des ehemaligen Karstadt-Quelle-Konzerns, die Warenhausimmobilien, hat Middelhoff verkauft – wenn auch die vollständige Trennung noch nicht in trockenen Tüchern ist. Mit dem Erlös aus dem Immobilienverkauf hat Arcandor den enormen Schuldenberg teilweise abgetragen. Damit er nicht wieder wächst, muss nun Thomas Cook die Kasse füllen.

Die stärkere Beteiligung bei Thomas Cook hat sich Arcandor mit dem Geld aus den Immobilien erkauft. Ein sinnvoller Tausch?

Ganz sicher. Zwar ist auch der Tourismus alles andere als krisensicher, das Immobiliengeschäft aber hätte sich noch als wesentlich riskanter erweisen können. Dann nämlich, wenn Karstadt in die Insolvenz geht. Den Immobilien wäre damit auf einen Schlag der größte Mieter abhanden gekommen – und damit ein Großteil der Einnahmen.

Weshalb will Arcandor seinen Anteil an Thomas Cook durch einen Aktienrückkauf erhöhen?

Die Touristiktochter konsolidiert Arcandor zwar schon zu 100 Prozent, am Ende müssen die Essener außenstehenden Aktionären von Thomas Cook – immerhin sind es 48 Prozent – einen Teil des Gewinns wieder herausrücken. Wie bitter dies ist, zeigt die Bilanz des Rumpfgeschäftsjahres von Arcandor 2007: Dort blieb zwar unterm Strich ein Konzernergebnis von 135 Mill. Euro. Den Arcandor-Aktionären standen am Ende davon aber nur noch 16 Mill. Euro zur Verfügung, weil der Rest an „andere Gesellschafter“ ausgeschüttet wurde.

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