Arcandor
Modelieferanten bleiben gelassen

Eine Arcandor-Pleite könnte weitere Insolvenzen von Lieferanten nach sich ziehen, hat Karstadt-Chef Stefan Herzberg gewarnt. Doch so dramatisch wird es kaum kommen: Trotz eines Umsatzvolumens von 4,2 Milliarden Euro ist Karstadt für die deutsche Zuliefer-Industrie kaum systemrelevant.

DÜSSELDORF. Ende Mai drückte Karstadt-Chef Stefan Herzberg mächtig auf die Tränendrüse. Käme es zu einer Insolvenz der Konzernmutter Arcandor, sagte er in einem Interview, würden die Biografien von mehr als 50 000 Mitarbeitern gebrochen. Und es käme laut Herzberg noch schlimmer: Zahlreiche Folge-Insolvenzen bei Karstadt-Lieferanten seien zu befürchten, vertraute er den Medien an.

So dramatisch aber wird es kaum kommen. Nicht nur die Zahl der betroffenen Mitarbeiter ist wohl deutlich geringer - ein von der Bundesregierung in Auftrag gegebenes Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC rechnet 35 000 gefährdete Arbeitsplätze vor. Auch für die deutsche Zuliefer-Industrie ist Arcandor offenbar keineswegs systemrelevant. Und das, obwohl der Konzern mit einem Umsatzvolumen von 4,2 Mrd. Euro Deutschlands größter Textilhändler ist - noch vor Otto (3,4 Mrd.), Metro (3,1 Mrd.) und C&A (2,9 Mrd.).

"Eine Insolvenz von Karstadt hätte keine dramatischen Auswirkungen", sagte gestern Klaus Brinkmann, Präsident des Modeverbands German Fashion. Dabei wäre Brinkmann von einer Pleite selbst betroffen: Sein Herforder Modeunternehmen beliefert den Essener Handelskonzern unter anderem mit der Marke "Bugatti".

In Deutschland seien lediglich fünf Modehersteller bekannt, die sehr stark angewiesen sind auf Karstadt - und denen damit möglicherweise selbst eine Insolvenz droht. Namen nennt German Fashion nicht. Zu Arcandors größten Lieferanten zählen laut einem Gutachten der Wirtschaftsprüfungsfirma PwC die Herstellerfirmen Esprit, Adidas, S. Oliver, Falke, Siemens, Miele, WMF, Playmobil, Bauknecht, Puma und Schiesser. Die meisten von ihnen aber dürften wegen ihrer eigenen Größe von dem in Schieflage geratenen Handelskonzern keinesfalls abhängig sein.

Und selbst die Insolvenz von fünf Modeherstellern wäre für die deutsche Branche, die gut 285 Herstellerfirmen zählt, kaum eine unerwartete Erschütterung. Allein im ersten Quartal des laufenden Jahres, hielt die Verbandsstatistik fest, verabschiedeten sich 16 deutsche Modefirmen vom Markt - und damit so viele wie 2007 und 2008 zusammen.

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