Arcandor
Post sitzt mit im leckgeschlagenen Boot

Der Deutschen Post brechen in der Heimat gegenwärtig die Aufträge weg. Durch die mögliche Insolvenz des Handelskonzerns Arcandor droht der Verlust eines der größten Kunden. Es geht um einen gewaltigen Umsatz und Tausende Arbeitsplätze.

DÜSSELDORF. 4 000 Arbeitsplätze wären bei der Post betroffen, sagte ein Post-Sprecher, allein 3 000 in der Logistik, wie etwa der Lagerhaltung. Der Jahresumsatz mit Arcandor wird auf gut eine Mrd. Euro geschätzt.

Sollte es zur Insolvenz kommen, könnten die Karten völlig neu gemischt werden. Der Insolvenzverwalter könnte die 2005 für zehn Jahre abgeschlossenen Verträge mit der Post-Tochter DHL kündigen und versuchen, nicht nur die Preise zu drücken, sondern gleich einen günstigeren Anbieter zu finden. Für Spezialversender des Arcandor-Konzerns interessieren sich bereits Versandhändler wie die Hamburger Otto-Gruppe. Otto verfügt mit Hermes über einen eigenen Logistiker. Sollte die Arcandor-Warenhaustochter Karstadt dagegen mit Kaufhof zusammengehen, droht DHL den Auftrag an Fiege zu verlieren. Der Mittelständler aus Greven ist langjähriger Logistikpartner der Metro-Tochter. Die Post wollte sich nicht äußern. "Wir kommentieren Spekulationen nicht", sagte ein Post-Sprecher.

Doch auch in dem Fall, dass Arcandor doch staatliche Bürgschaften bekommen sollte, drohen DHL Abschläge. Wie aus einem dem Handelsblatt vorliegenden Gutachten von Pricewaterhouse-Coopers hervorgeht, will Arcandor allein durch Nachverhandlungen langfristiger Verträge für IT- und Logistikleistungen sowie Mieten 100 Mio. Euro pro Jahr einsparen.

Neben dem starken Einbruch des Transportgeschäfts wegen der Wirtschaftskrise und des schleichenden Rückgangs im Briefgeschäft bei steigenden Personalkosten steht Appel damit neues Ungemach ins Haus. Laut Geschäftsbericht der Post "ist der Verlust von Großkunden vor allem im Logistikgeschäft ein wesentliches Risiko". In der Sparte Logistik (Supply Chain) ist der Umsatz der Post im vergangenen Jahr um 4,2 Prozent auf 13,7 Mrd. Euro gesunken. In der Sparte erzielt der Konzern rund ein Viertel seines Gesamtumsatzes und schreibt einen Verlust von 674 Mio. Euro vor Steuern und Zinsen. Allerdings sind darin hohe Einmalkosten enthalten. Die Aussichten sind eher schlecht. Im ersten Quartal gab der Umsatz wegen der Wirtschaftskrise um sechs Prozent nach.

DHL erledigt die Logistik für Karstadt. Allein das macht rund 500 Mio. Euro Umsatz im Jahr aus. Außerdem gilt die Arcandor-Versandsparte Primondo als der größte Paketkunde von DHL. Zu Primondo gehören Spezialversender wie Baby-Walz, Hessnatur und Madeleine sowie der Universalversender Quelle. Nach älteren Angaben stellt DHL täglich 100 000 Quelle-Pakete zu, befördert 27 Millionen Kataloge und trägt 300 Millionen Quelle-Briefe und Spezialkataloge unter 1 000 Gramm aus.

Appels Vorgänger Klaus Zumwinkel hatte Mitte 2005 große Teile der Karstadt-Quelle-Konzernlogistik für 200 Mio. Euro inklusive der 3 600 Mitarbeiter übernommen und dafür einen Zehnjahresvertrag im Wert von fünf Mrd. Euro erhalten. Zu dem Paket gehörten auch Immobilien mit über einer Mio. Quardatmetern Nutzfläche. In der Branche galt dies als "Schnäppchen". Zumwinkel, der wegen einer Steueraffäre als Post-Chef den Hut nehmen musste, saß zu der Zeit im Aufsichtsrat von Arcandor. Er ist als ehemaliger Quelle-Chef der Eigentümerfamilie Schickedanz verbunden. Kurz vor seinem Prozess Anfang 2009 ist er auf eigenen Wunsch aus dem Gremium ausgeschieden.

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