Arcandor
Thomas Cook nabelt sich ab

Der Reisekonzern Thomas Cook wird sich voraussichtlich in der kommenden Woche vollständig von Arcandor abnabeln. Die Gläubigerbanken des insolventen Handelskonzerns wollen in den kommenden Tagen die ihnen als Sicherheit überlassenen Thomas-Cook-Aktien an der Börse platzieren, heißt es in Finanzkreisen. Der Verkauf eines größeren Pakets an einen Einzelinvestor scheint damit vom Tisch.

LONDON/FRANKFURT. Die Liste der potenziellen Ankerinvestoren sei immer weiter geschrumpft, berichten gut informierte Kreise. Dagegen sei das Interesse unter institutionellen Anlegern groß, sagte Firmenchef Manny Fontenla-Novoa dem Handelsblatt. Arcandor war mit 53 Prozent Hauptaktionär des nach Tui zweitgrößten europäischen Touristikkonzerns, hatte das an der Londoner Börse notierte Unternehmen jedoch weitgehend eigenständig arbeiten lassen.

Weil es zwischen Arcandor und Thomas Cook weder einen Beherrschungsvertrag noch einen Cash-pool gab, blieb der Reisekonzern von der Insolvenz verschont. Allerdings hatte der damalige Arcandor-Vorstandschef Thomas Middelhoff, um frisches Geld zu bekommen, 44 Prozent der Thomas-Cook-Aktien an Banken und weitere neun Prozent an Anleihegläubiger verpfändet. Weil sie ihre Papiere nach der Pleite von Arcandor nun auf eigene Faust verwerten wollen, hat Arcandors Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg keine Verfügungsgewalt mehr über die Aktien.

Schon vor der Insolvenz des Essener Mutterkonzerns hatten sich mehrere Interessenten für den sich abzeichnenden Verkauf der Thomas-Cook-Mehrheit gemeldet. In Deutschland warf die Handelsgruppe Rewe den Hut in den Ring, um als drittgrößter Reiseveranstalter des Landes mit Marken wie Tjaereborg, DER und Atlas-Reisen das Geschäft auszubauen.

Doch jeder Käufer, der das Arcandor-Paket komplett übernehmen will, müsste nach britischem Börsenrecht allen Aktionären ein Übernahmeangebot machen. Schon bei einer Schwelle von 30 Prozent der Stimmrechte wäre eine solche Offerte fällig. Das erforderte bei einem Börsenwert von aktuell knapp zwei Mrd. Pfund (2,3 Mrd. Euro) tiefe Taschen.

Aus diesem Grund hatten die mit der Aktienplatzierung beauftragten Investmentbanker von Dresdner, RBS und UBS zuletzt Ankerinvestoren für ein Paket von 29,9 Prozent gesucht. Doch die anfangs lange Liste der Interessenten schrumpfte in dem Maße, in dem sich der Kurs der Thomas-Cook-Aktie erholte.

Wenn sich nicht doch noch in letzter Minute ein Investor für ein solches Paket findet, dann sollen, so heißt es in den Finanzkreisen, alle Aktien per Blockhandel innerhalb weniger Stunden an institutionelle Investoren verkauft werden. Die gesamte Transaktion habe einen Wert von knapp einer Milliarde Euro.

Typischerweise sei bei solchen Blockverkäufen mit einem Abschlag auf den aktuellen Aktienkurs zu rechnen. Als Größenordnung seien hier bis zu sieben Prozent zu erwarten. In den Finanzkreisen hieß es, die Börse werde das üppige Aktienpaket verdauen können. Sie sei schließlich seit längerem darauf eingestellt, dass größere Mengen Thomas-Cook-Aktien auf den Markt kämen.

Thomas-Cook-Chef Manny Fontenla-Novoa ist optimistisch, dass der Verkauf gelingen wird. "Ich weiß aus Gesprächen mit unseren Aktionären, dass es ein großes Interesse an unseren Aktien gibt", sagte er. Wenn die Aktien des Unternehmens künftig breit gestreut seien, werde es ihm möglich sein, Kapital für größere Zukäufe über die Börse zu bekommen. Fontenla-Novoa würde gerne auf neue Märkte wie die USA und China vorstoßen. Eine größere Übernahme peilt er nach eigenen Worten auch in Deutschland an.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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