Arcandor
Was Karstadt verkehrt gemacht hat

Auch wenn die Gespräche zwischen Karstadt und Kaufhof stocken: Eine Konsolidierung der deutschen Warenhäuser rückt näher. Die Handelsexpertin Claudia Endl von der Dölle Managementberatung erklärt, warum es Karstadt so viel schlechter geht als Kaufhof, welche Zukunft Warenhäuser haben und was auf den Kunden zukommen dürfte.

Frau Endl, Kaufhof macht Gewinn, Karstadt hohe Verluste. Was sind die größten Fehler, die Karstadt gemacht hat?

Es gibt mehrere Gründe. Kaufhof hat auf das sogenannte Shop-in-Shop-Prinzip gesetzt: Die Abteilungen der Warenhäuser haben, anders als bei Karstadt, kleinere Einheiten, nicht große unübersichtliche Abteilungen. Ein Kaufhof ist eher eine Erlebniswelt. Außerdem sind die Sortimente näher am Verbraucher.

Welche Rolle spielt die Altersstruktur der Kunden?

Auch das spricht gegen Karstadt. Die Arcandor-Tochter hat versucht, jüngere Kunden anzusprechen, zwischen 35 und 55 Jahren. Das klappte nicht. Die klassischen Kunden eines Warenhauses sind eher über 45 und entsprechen auch der demographischen Entwicklung in Deutschland. Nun steuert der neue Arcandor-Chef Eick um und setzt wieder auf ältere, finanziell stärkere Kunden. Aber das dauert seine Zeit.

Glauben Sie, dass es in Deutschland zu viele dieser großen Kaufhäuser gibt?

Ja. Ich glaube nicht, dass es in Städten mittlerer Größe mehr als ein Warenhaus geben sollte. Das zeigt auch ein Blick ins europäische Ausland.

Welche Zukunft haben Warenhäuser? Ist das Konzept noch zeitgemäß?

Natürlich ist die Konkurrenz durch das Internet, TV-Shopping und Konkurrenten wie H&M in den vergangenen Jahren viel größer geworden. Aber wenn es eine Warenhauskette richtig anstellt, hat sie natürlich eine Zukunft. Aber dann muss alles stimmen: Der Service, das Sortiment und die Strategie, das Konzept. Auch hier zeigt ein Blick ins Ausland, wie es geht. In Spanien verdient El Corte Inglés gutes Geld.

Was würde passieren, wenn es nur noch eine „Warenhaus AG“ gibt?

Ich rechne mit der Schließung von Standorten und Stellenstreichungen.

Was passiert mit den Standorten, wenn ein Kaufhof oder Karstadt geschlossen werden würde? Das sind ja Immobilien in bester Lage.

Vielleicht würden Shopping-Malls entstehen mit mehreren kleinen Einzelhändlern. Schauen Sie sich das CentrO in Oberhausenan. Nur dieses Konzept eben in Innenstädten. Für Kunden wäre das gar nicht so schlecht, da wird Shopping zum Erlebnis.

Würden die Preise steigen, wenn es in einer Stadt nicht mehr Karstadt und Kaufhof, sondern nur noch eines der beiden Kaufhäuser gibt?

Nein. Selbst wenn der direkte Warenhaus-Konkurrent wegfällt, ist noch genügend Konkurrenz vorhanden, um dem Preiskampf zu entgehen.

Thorsten Giersch
Thorsten Giersch
Chefredakteur Business bei der Verlagsgruppe Handelsblatt / Geschäftsführer digital bei planet c
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