Arcandor
Wer bei Arcandor jetzt die Macht hat

Arcandor steht vor einem langen und steinigen Insolvenzverfahren. Dabei entscheidet Arcandor-Chef Eick längst nicht mehr allein im Konzern. Alle Entscheidungen müssen vom Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg abgesegnet werden – selbst jeder Einkaufsauftrag landet auf dem Tisch von Görg. Das macht die Rettung noch schwieriger.

DÜSSELDORF. "Wir werden natürlich die Gespräche mit der Metro weiterführen, ob diese so oft diskutierte Deutsche Warenhaus AG eine Zukunft ist", sagte Vorstandschef Karl-Gerhard Eick am Donnerstag bei der ZDF-Sendung "Johannes B. Kerner" in Hamburg. Der Handelskonzern solle aber erst einmal als Ganzes erhalten bleiben.

Unerwartet selbstbewusste Töne aus dem Hause Arcandor, das erst am Dienstag den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt hatte. Tatsächlich aber bleibt Eick solange Vorstandsvorsitzender, wie sein Aufsichtsrat ihn diesen Job machen lässt. Der gerichtlich bestellte, vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg hat darauf keinen Einfluss.

Es gilt das Prinzip: Insolvenzrecht bricht kein Aktienrecht. Allerdings: Ohne Görg läuft bei Arcandor gar nichts mehr. "Alle Entscheidungen müssen ihm zur Unterschrift vorgelegt werden", sagt Görgs Sprecher. So gilt seit Dienstag in Essen auch eine klare Ansage. Jeder Einkaufauftrag irgendeiner Karstadt-Filiale oder beim Versandhaus Quelle geht über den Tisch des Insolvenzverwalters. Das Arcandor-Management kann Entscheidungen und Verträge vorbereiten, muss jedoch alles zur Unterschrift bei Görg vorlegen.

In der Praxis arbeiten Eick und Görg vermutlich eng zusammen. Frühmorgens und abends kommen Manager und Insolvenzverwalter jetzt täglich zur "Großen Lage" zusammen, um drängende Fragen zu klären. Zur Zeit dürften dabei Themen Liquiditätssicherung und Gewährleistung im Vordergrund stehen.

Eine wichtige Beraterrolle hat dabei Horst Piepenburg. Der Düsseldorfer Insolvenzrechtsexperte wurde weder vom Essener Amtsgericht noch von Insolvenzverwalter Görg ins Unternehmen geholt, sondern von Arcandor selbst. Piepenburg gehört damit zum Arcandor-Management, nicht zur Insolvenzverwaltung, Görg dagegen vertritt die Interessen der

Piepenburgs Rolle als Generalbevollmächtigter besitzt Seltenheitswert, denn üblicherweise ziehen die Insolvenzexperten gleich in den Vorstand ein. Sein Job ist es, den Vorstand in insolvenzrechtlichen Fragen zu beraten und ihn davor zu bewahren, Fehler zu begehen.

Der Verkauf eines Teils der Karstadt-Warenhäuser etwa könnte zwar theoretisch vom Vorstand schon vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens durch das Gericht vorbereitet werden. Vor der Übergabe müsste aber eine Vielzahl haftungsrechtlicher Fragen geklärt werden, damit nicht später Gläubiger des insolventen Unternehmens die Entscheidung anfechten und auf Schadenersatz klagen.

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