Argentinien
Steaks für die Welt

Argentinien und Steaks, das war zuletzt ein schwieriges Thema. Im Inland ist der Konsum eingebrochen, ins Ausland wurde weniger verkauft. Nun aber zieht der Export wieder an - als Hoffnungsträger gelten die EU und China.
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Buenos AiresGenau 8327 Rinder stehen an diesem Morgen in den Ställen des Mercado de Liniers. Ein Auktionator fährt auf einem kleinen Wagen, wie man ihn von Golfplätzen kennt, an den Tieren vorbei und lässt den Hammer fallen, wenn er einen Preis von 30 Pesos (1,70 Euro) pro lebendes Kilo zugerufen bekommt.

Der große Rindermarkt am Westrand von Buenos Aires ist seit über hundert Jahren Umschlagplatz von der Weide zum Grill. Und auch wenn ausgerechnet im Land der Gauchos der Steak-Konsum stark zurückgeht, zieht nun der Export wieder an. Der neue Präsident Mauricio Macri will die Produkte seines Landes in aller Welt verkaufen, nachdem die linke Vorgängerin eher auf Protektionismus setzte.

Vor nicht allzu langer Zeit kamen hier auf dem Viehmarkt täglich noch über 40.000 Tiere unter den Hammer. Heute aber wird ein Großteil des Exportfleisches direkt von der Estancia (Rinderfarm) zum Schlachthof befördert. Und der Konsum im Inland ist stark gefallen. 1956 verzehrten die Argentinier im Durchschnitt 101 Kilogramm Rindfleisch pro Jahr. Heute sind es nur noch 56,5 Kilo. Im letzten Jahrzehnt ist der Pro-Kopf-Konsum um zehn Kilogramm gefallen, 2016 überdurchschnittlich sogar um 3,3 Kilogramm.

Da spielen kulturelle Veränderungen, billige, konkurrierende Hühnerfarmen und Wirtschaftskrisen eine Rolle. Rinderfilet kostet im Supermarkt umgerechnet um die 13 Euro pro Kilo, gutes Steak-Fleisch 11 Euro. Für Argentinier mit Durchschnittseinkommen ist das recht teuer.

Auch die argentinischen Fleisch-, Milch- und Lederexporte stehen den Einnahmen nach nur noch an vierter Stelle, mit einem Anteil von knapp fünf Prozent, hinter dem anhaltenden Soja-Boom, den Getreideausfuhren und den Produkten der Autoindustrie, die hauptsächlich im Austausch mit Brasilien gehandelt werden.

Der Anbau genetisch veränderter Soja (unter anderem für die Tierfutterproduktion weltweit) hat in den letzten zwei Jahrzehnten der Rinderzucht große Flächen genommen. Die Regierung Cristina Kirchners (2007-2015) förderte die Soja-Expansion und stellte gleichzeitig dem Fleischexport Hürden, auch um mehr und bezahlbare Steaks für den Binnenmarkt zu sichern. Der Wert der Rindfleischexporte ist von 2009 bis 2015 halbiert worden.

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