Arnolds und Heros
Finanzaufsicht soll geschludert haben

Der zweite Veruntreuungsfall binnen sechs Monaten wirft ein schlechtes Licht auf die ganze Werttransport-Branche. Die Unternehmen fürchten um ihr Image. Einen Schuldigen für die Betrugsfälle bei Heros und nun bei Arnolds haben die Firmen auch schon ausgemacht: die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz BaFin. Die Vorwürfe wiegen schwer.

FRANKFURT. Die Branche wirft der BaFin vor, Konten und Unternehmen nicht zu kontrollieren, obwohl sie dies seit 1999 angekündigt habe. „Hätte die BaFin damals schon geprüft, wäre Heros niemals in den Dimensionen möglich gewesen und Arnolds gar nicht“, sagte ein Sprecher des Branchenverbandes BDGW. Die BaFin wies die Vorwürfe zurück.

Spekulationen zufolge soll Arnolds ähnlich wie Heros mit einem Schneeballsystem gearbeitet haben. Beim „Schieben“, so der Branchenjargon, wird Geld abgezweigt und die Lücke mit den nachfolgenden Transporten gedeckt. Das System läuft, solange Geld nachfließt. Bei Arnolds liegt der Schaden nach ersten Erkenntnissen bei 16,5 Mill. Euro; bei Heros sind es 400 Mill. Euro.

Kontrollen gibt es kaum. Vor allem die so genannten Sammelkonten bei der Bundesbank, auf die die Transporteure die gesamten Einnahmen einzahlen, sind bar jeder Aufsicht. Hier landen die Kundengelder. Bei mehreren tausend Kontobewegungen am Tag sei eine Übersicht schwer, sagen Insider. Zumal auch die Kundenunternehmen an der Sicherheit sparten: Um den Geldfluss transparenter zu machen, müssten die Einzahlungen jeder Filiale separat gebucht werden. Doch das scheuten die Kunden, da sie für jede Bareinzahlung auf ein Geschäftsbankkonto extra zahlen müssen.

Zuständig für die Kontrolle wären nach Meinung der Branche Bundesbank und BaFin. Doch beide tun sich schwer. Zwar forderte die BaFin schon 1999 die Unternehmen auf, eine Erlaubnis zu beantragen und sich registrieren zu lassen. „Aber geschehen ist nichts“, moniert BDGW-Geschäftsführer Olschock. „Hätte die BaFin damals geprüft, hätte es Heros in der Dimension nicht gegeben und Arnolds auch nicht.“ Die BaFin kontert: „Grundsätzlich fallen Geld-und Werttransportunternehmen nicht unter unsere Aufsicht. Nur wenn sie bestimmte Kontenformen nutzen, unterliegen sie der Geldwäscheaufsicht“. Die aber sei kein Mittel zur Aufdeckung von Untreue.

Die Polizei hatte in Essen die Geschäftsführer der Sicherheitsfirma Arnolds festgenommen. Zwei der drei Manager, die Inhaber Hans und Mark M., hatten sich bereits am Dienstagabend gestellt und den seit 2001 aufgelaufenen Fehlbetrag von 16,5 Mill. Euro eingeräumt; der dritte Geschäftsführer Udo S. wurde nach den Aussagen seiner beiden Kollegen festgenommen. Alle befanden sich am Mittwoch in Haft. Unklar ist, so der Essener Oberstaatsanwaltes Wilhelm Kassenböhmer, ob sich die Beschuldigten persönlich bereichert haben. Das Unternehmen wollte sich zu den Ereignissen nicht äußern, der Geschäftsbetrieb laufe weiter, sagte eine Mitarbeiterin.

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