Arques AG: Geschäfte mit der Zukunft

Arques AG
Geschäfte mit der Zukunft

Die im S-Dax gelistete Arques Industries AG gehört, gemessen an der Kursentwicklung, zu den erfolgreichsten deutschen Aktiengesellschaften. Die Arques Industries AG hat ihren Aktionären bislang viel Freude bereitet – nun mehren sich Zweifel.

MÜNCHEN. Schon die Adresse ist von allererster Güte. Der Chef residiert im „Sommerpalais“, das unter den großen Häusern am Starnberger See einen Spitzenplatz beanspruchen darf. Alles wirkt schön und gut gediegen hier, aus der Ferne grüßt die Zugspitze. Inmitten dieser paradiesisch anmutenden Landschaft macht die Firma Arques Industries AG Geschäfte, die an vergleichbare Zustände erinnern. Als der heutige CEO in die Firma einstieg, kostete die Aktie 59 Cent. Gestern war sie fast 115 Euro wert.

Hinter dem Unternehmen mit der märchenhaften Wertsteigerung stehen zwei Männer: Dr. Dr. Peter Löw als CEO und als erster Zuarbeiter der stellvertretende Vorstandschef und einstige Finanzvorstand Dr. Manfred Vorderwühlbecke.

Die Biografien der beiden Unternehmer klingen so schön gerade wie die Bügelfalten ihrer Einstecktücher: Beide sind 1960 geboren, beide haben zunächst an der Universität gezeigt, was in ihnen steckt. Löw war dann bei McKinsey, Vorderwühlbecke bei einem Beteiligungsfonds. Anfang der 90er-Jahre führten beide ihre Expertise zusammen und lernten, wie man mit der Beteiligung an mitunter maroden Mittelständlern ein kleines Vermögen verdienen kann. Anfang des neuen Jahrtausends entdeckten sie, wie man aus einem kleinen ein großes Vermögen machen kann – in dem man sich der Börse bedient.

Inzwischen gehört die im S-Dax gelistete Arques Industries AG, gemessen an der Kursentwicklung, zu den erfolgreichsten deutschen Aktiengesellschaften überhaupt: Sie hält Beteiligungen an einem ganzen Strauß von Unternehmen, darunter dem Kinderwagenbauer Teutonia, der Nachrichtenagentur DDP oder der SKW-Stahl- und Metallurgie-Gruppe.

Das Geschäftsmodell funktioniert ungefähr so: Arques sucht Unternehmen, denen es nach Managementfehlern nicht mehr gut geht. Die Starnberger kaufen die Firma dann für einen eher symbolischen Preis, ehe sie ihre Task-Force schicken, zumeist junge Manager mit Beratungserfahrung. Die bekommen von Arques in der Regel zwar nur ein dürftiges Gehalt, dürfen sich aber mit etwa zehn Prozent am neu erworbenen Unternehmen beteiligen. Und dann tun sie gemeinhin das, was heute Restrukturierung genannt wird. Die Krönung dieser Arbeit ist es, die Beteiligung an der Börse zu platzieren. Am vorteilhaftesten gelingt dies, wenn man sich dafür eines leeren Börsenmantels bedienen kann, einer AG also, die zwar noch gelistet ist, hinter der aber kein Geschäft mehr steckt. Anfang 2006 steht Arques in der Summe der Beteiligungen für 600 Millionen Euro Umsatz.

Dass sich die Arques-Aktionäre an diesem Mittwoch zu einer außerordentlichen Hauptversammlung treffen, hat mit diesem außerordentlichen Erfolg der Gruppe nichts zu tun. Die Tagungsordnung sieht nur einen einzigen Punkt vor, der nach Formalie klingt: die Anpassung der Gesellschaftssatzung an das „Gesetz zur Unternehmensintegrität und Modernisierung des Anfechtungsrechts“.

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