Arzneimittel-Markt
Drogisten und Discounter greifen an

Deutschlands Apotheken droht nach den jüngsten Expansionsankündigungen von Versandhändlern nun auch der Angriff einer Discountkette. Der renditestarke Handel mit Arzneimitteln lockt auch die von Hildesheim aus operierende Easy-Apotheke - mit Netto-Renditen von 20 Prozent will die Apothekenkette in großem Stil auf Kundenfang gehen.

DÜSSELDORF. "Im kommenden Jahr wollen wir die Grenze von 100 Standorten überschreiten", sagte Oliver Blume, Vorstandschef der Easy-Apotheke, dem Handelsblatt. Anschließend wolle er jährlich weitere 100 Filialen starten.

Schon vor wenigen Tagen hatte Schlecker angekündigt, den Service der Versandapotheke Vitalsana auf sämtliche seiner 11 000 deutschen Drogeriemärkte auszuweiten. Den gleichen Weg nimmt Wettbewerber DM, der seine Läden von der niederländischen Europa-Apotheek des US-Pharmagiganten Medco beliefern lässt. Die Konzernzentrale von Rewe sondiert derzeit den Einstieg ins lukrative Geschäft mit dem Arzneimittelhandel, das nach Beobachtungen des McKinsey-Experten Steffen Hehner Gewinnmargen von deutlich mehr als zehn Prozent abwirft. Zum Vergleich: Beim Einzelhandel mit Lebensmitteln bleiben den Konzernen unterm Strich meist weniger als drei Prozent übrig.

Der renditestarke Handel mit Arzneimitteln lockt auch die von Hildesheim aus operierende Easy-Apotheke. Das Konzept der Ende 2006 gestarteten Apothekenkette hat sich Blume bei Aldi abgeschaut: einheitlicher und günstiger Ladenbau, Kundenführung wie im Supermarkt, Kommissionierautomaten statt teurer Arbeitskräfte, arbeitsteiliges Kassieren an der Checkout-Kasse. "Das alles ermöglicht für die Kunden Preisreduzierungen von bis zu 50 Prozent im rezeptfreien Bereich", verspricht Blume. Dennoch komme man auf eine Nettorendite von 20 Prozent.

21 Standorte hat das 2004 als Versandapotheke gestartete Unternehmen schon in Betrieb genommen - mehr als ein Viertel davon in Berlin. Dass der Umsatz - inklusive der Franchisenehmer - mit 40 Mill. Euro im Vergleich zum 38 Mrd. Euro schweren Apothekenmarkt bescheiden ist, könnte sich bald ändern. Unter Blumes Führung arbeiten neun Expansionsleiter daran, das Netz zu erweitern. Gesucht werden günstige Läden bis zu 800 Quadratmeter - vorzugsweise in Fachmarktzentren.

Solange das deutsche Gesetz Kapitalgesellschaften den Betrieb von Apotheken ebenso wie Filialsysteme verbietet, bindet Blume die Standorte per Franchisevertrag an die Zentrale. Die verlangt von den Betreibern, weil der Gesetzgeber eine erfolgsabhängige Gebühr verbietet, neben den Kosten für den Ladenbau einen monatlichen Fixbetrag von 1 500 Euro. Die Filialorganisation könnte sich aber schon bald ändern. "Wir rechnen damit, dass der Europäische Gerichtshof das Fremd- und Mehrbesitzverbot in einem halben Jahr kippen wird", glaubt Blume.

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