Asien beeinflusst die deutsche Wirtschaft
1800 deutsche Unternehmer in China

Der Asien-Boom ist noch nicht zu Ende. Die Region bleibt für die deutsche Wirtschaft auch in Zukunft ein Investitionsschwerpunkt. Ziel sei es, den Anteil Asiens am deutschen Außenhandel von derzeit 12 Prozent auf 15 bis 20 Prozent auszubauen, bekräftigten Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) und der Chef des Asien-Pazifik-Ausschusses, Heinrich von Pierer, am Donnerstag bei der 10. Asien-Pazifik-Konferenz in Bangkok.

HB BANGKOK. Allerdings dürfe man über das starke Engagement im boomenden China nicht die zehn Mitgliedsländer des ASEAN-Verbundes vernachlässigen.

Der asiatisch-pazifische Raum stelle mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung und weise Wachstumsraten zwischen 5 und 9 Prozent aus, betonte Siemens-Chef von Pierer. Zweifelsfrei stehe China mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern im Mittelpunkt des Interesses. Das Reich der Mitte steuert in diesem Jahr auf einen Rekordwert an Auslandsdirektinvestitionen von 60 Milliarden Dollar zu. Mittlerweile habe China in der Region Japan als Nummer Eins der wichtigsten deutschen Handelspartner abgelöst. Insgesamt sind in China etwa 1800 deutsche Unternehmer aktiv. Der gesamte asiatisch-pazifische Raum sei zu einem "unverzichtbaren Baustein der deutschen Zukunft" geworden.

Asien gibt auch nach Ansicht Clements weiter das Wachstum der Weltwirtschaft vor. Die wirtschaftliche Dynamik der asiatisch- pazifischen Region entspreche einem längerfristigen Trend und sei keine Eintagsfliege. "Dies muss und wird die deutsche Wirtschaft anregen, ihr Engagement in diesem Raum zu verstärken." Nach der Asien-Krise 1997/98 hätten nicht wenige die ASEAN-Staaten in Agonie verfallen sehen. "Sie haben sich getäuscht." Der Minister verwies auf die Bedeutung der Hermes-Bürgschaften, die bereits heute mit einem Rekord von 17 Milliarden Euro über dem Stand des gesamtes Vorjahres 2003 lägen.

Clement trat Befürchtungen der Wirtschaft entgegen, die Hermes- Bürgschaften könnten für gesellschaftspolitische Ziele wie den Umweltschutz "instrumentalisiert" und nicht zur Unterstützung der Exportwirtschaft genutzt werden. Hermes sei kein Instrument der Investitionslenkung, sondern zur Förderung des Engagements deutscher Unternehmen im Ausland angelegt, versicherte Clement. Zu der alle zwei Jahre stattfindenden Konferenz waren 800 Teilnehmer aus Deutschland und dem asiatisch-pazifischen Raum nach Bangkok gereist.

Erstmals nahm mit Thailands Premierminister Thaksin Shinawatra ein Regierungschef an einer APK teil. Thaksin unterstrich die Fortschritte Thailands, das sich als "Tor zu Südostasien" verstehe. Die Devisenreserven sei so hoch wie nie zuvor, der Haushalt sei erstmals ausgeglichen und das Wirtschaftswachstum liege in diesem Jahr zwischen 6 und 6,5 Prozent.

Mit Skepsis bewerteten Clement und von Pierer Bestrebungen einiger asiatischer Länder untereinander oder mit den USA Handelsabkommen auf bilateraler Ebenen abzuschließen. Man müsse auf der Hut sein, dass der deutschen Wirtschaft dabei keine Nachteile entstünden. "Bei bilateralen Abkommen muss die Gleichbehandlung der deutschen Unternehmen gewährleistet werden", sagte Clement. Grundsätzlich ziehe Deutschland multilaterale Abkommen auf der Basis von Verhandlungen mit der Welthandelsorganisation WTO vor.

In Asien sind nach Angaben des Asien-Pazifik-Ausschusses 3000 deutsche Unternehmen tätig, die mit rund einer halben Million Beschäftigten einen Jahresumsatz von rund 130 Milliarden Euro erwirtschaften. Der asiatisch-pazifische Raum sei nicht nur für große Konzerne, sondern auch für den Mittelstand von Interesse, unterstrich APA-Chef von Pierer. "Das Risiko, hier nicht dabei zu sein, ist größer, als das Dabeizusein."

(Internet: Asien-Pazifik-Konferenz der Deutschen Wirtschaft: www.apk- bangkok.org )

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