Asklepios-Gründer im Interview
„Der Druck auf die Krankenhäuser nimmt zu“

Dem deutschen Krankenhausmarkt steht eine neue Privatisierungswelle bevor. Bernard Broermann, Gründer des privaten Klinikbetreibers Asklepios sprach im Interview mit dem Handelsblatt unter anderem über die Konsequenzen der Finanzkrise für den Krankenhausmarkt und die künftige Strategie seines Unternehmens.

Handelsblatt: Herr Broermann, kommt dieses Jahr eine neue Privatisierungswelle im Klinikmarkt?

Bernhard Broermann: Nein, 2009 werden wir nicht viele Übernahmen sehen. Aus zwei Gründen: Einmal haben die Krankenhäuser durch das Gesundheitsreformgesetz mehr Geld bekommen. Das entlastet die Häuser. Zum anderen passen Privatisierungen politisch nicht in die Landschaft. In diesem Jahr stehen verschiedene Kommunal- und Landtagswahlen und die Bundestagswahl an. Da wird kein Politiker das Thema Krankenhausprivatisierung anpacken.

Die Finanzkrise spielt keine Rolle?

Doch auch. Der eine oder andere Käufer wird sicher zurückhaltender sein. Im Endeffekt wird die Finanz- und Wirtschaftskrise aber dafür sorgen, dass wieder mehr Krankenhäuser unter Druck kommen und privatisieren müssen.

Weil die Kommunen in den nächsten Jahren weniger Geld haben werden, die Defizite ihrer Krankenhäuser auszugleichen?

Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite sind auch die Länderhaushalte betroffen. Im Krankenhausbereich sind ja die Länder für die Investitionen zuständig, der laufende Betrieb wird über die Abrechnungen mit den Krankenkassen finanziert. Bei der immensen Verschuldung, die im Moment in den öffentlichen Haushalten entsteht, werden die Länder ihrer Finanzierungsverpflichtung wahrscheinlich gar nicht mehr nachkommen können.

Also werden wir 2010 wieder deutlich mehr Klinikübernahmen sehen?

Davon gehe ich aus. Denn der Druck im Markt ist da für die Krankenhausanbieter. Die Kosten steigen. Bei der Personalausstattung können wir nicht mehr sparen, da sind wir durch die Kostendämpfungspolitik der vergangenen Jahre in Deutschland an die Grenze gestoßen.

Ihre Wettbewerber haben in den vergangen Monaten hier in Deutschland einige Kliniken gekauft, Asklepios nicht. Wollen Sie lieber ihre Auslandsaktivitäten ausbauen?

Nein. Deutschland ist für uns nach wie vor der mit Abstand wichtigste Markt. Wir wollen hier weiter wachsen und haben bei verschiedenen Objekten auch mitgeboten. Wir waren aber in zweierlei Hinsicht zurückhaltend. Einmal wollen wir mit Blick auf die Finanzkrise unsere Liquidität hoch halten. Und zweitens waren auch weniger Angebote im Markt und deshalb waren die Preise höher.

Um wie viel?

Die meisten Kliniken, die man aus der öffentlichen Hand kaufen kann, machen Verluste. Insofern kann man den Umsatz als grobe Faustregel hinzuziehen. Die Preise gingen in Richtung eines Jahresumsatzes. Traditionell zahlt man bei Kliniken mit hohem Investitionsbedarf eher das 0,5-fache des Umsatzes. Diese Preisentwicklung war schon beachtlich und wir haben eben konservativer geboten. Wachstum alleine ist ja kein Selbstzweck.

Merken Sie einen Finanzierungsengpass durch die Kreditklemme?

Für Asklepios ist das kein Thema. Wir brauchen auch kein Geld. Wir haben uns 2007, als erkennbar war, dass eine Finanzkrise auf uns zukommen würde, noch einen ziemlichen Finanzrahmen einräumen lassen und den haben wir nicht gezogen. Also haben wir aktuell keinen Bedarf.

Wettbewerber wie Helios und Sana haben sich sehr konkrete Ziele gesetzt, um wie viel sie jährlich durch Zukäufe wachsen wollen. Bei Helios sind es 150 Mio. Euro, bei Sana 100 bis 200 Mio. Euro. Welche Ziele haben Sie?

Auch wir können und würden im dreistelligen Millionen-Bereich an Umsatz zukaufen. Aber der Kaufpreis muss stimmen. Die Objekte müssen von ihrer Art, ihrer Ausbaufähigkeit her zu uns passen und sie müssen regional richtig liegen. Und schließlich ist auch die Wahrung unseres hervorragenden Ratings für uns ein entscheidendes Kriterium. Wir haben ja auch in der Vergangenheit schon gezeigt, dass wir keine Angst vor größeren Investitionen haben.

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