Asklepios und Helios wetteifern um den Erwerb der Universitätskliniken Gießen und Marburg
Krankenhaus-Ketten greifen nach Unikliniken

Private Krankenhaus-Ketten rüsten sich für weitere Übernahmen im öffentlich-rechtlichen Sektor. Im Blickfeld befindet sich dabei vor allem das Universitätsklinikum Gießen und Marburg, wo in den nächsten Tagen eine Entscheidung über die Privatisierung erwartet wird.

swe/shf FRANKFURT/M.Nach Informationen aus Klinikkreisen sind als potenzielle Käufer nur noch der Asklepios-Konzern und die vor kurzem von Fresenius erworbene Helios-Gruppe im Rennen. Die hessische Landesregierung bevorzugt nach diesen Informationen einen Käufer aus dem eigenen Bundesland, was auf beide Bewerber zutrifft. Die Rhön Klinikum AG, die Münchner Krankenhaus-Kette Sana und die im Besitz der Stadt Wiesbaden befindlichen Dr. Horst-Schmidt-Kliniken haben danach keine Chancen mehr und zum Teil ihren Ausstieg aus dem Bieterverfahren auch bereits offiziell bestätigt.

Das fusionierte Universitätskrankenhaus Gießen und Marburg ist die erste Uniklinik in Deutschland, die an private Betreiber verkauft werden soll. Das Projekt hat daher möglicherweise Signalwirkung für weitere Privatisierungsvorhaben bei den knapp drei Dutzend deutschen Universitätskliniken.

Der Asklepios-Konzern hat soeben sein Kapital um 100 Mill. Euro aufgestockt. Branchenexperten werten dies als finanzielle Vorbereitung für umfangreiche Investitionen, die nach einem möglichen Zukauf erforderlich sein könnten. Gleichzeitig bereitet die Bad Homburger Fresenius AG eine Kapitalerhöhung von 840 Mill. Euro vor, um den Erwerb der Helios-Gruppe zu finanzieren. Der Gesundheitskonzern zahlt insgesamt 1,5 Mrd. Euro für eine Kapitalmehrheit von 94 Prozent an der Fuldaer Klinikgruppe.

Durch diese Übernahme wird nach Einschätzung von Branchenkennern die Position der Helios-Gruppe im Wettbewerb um Gießen-Marburg gestärkt. Asklepios stehe damit ein Konkurrent gegenüber mit einem starken weltweit agierenden Gesundheitskonzern im Rücken. Fresenius beschäftigt weltweit mehr als 70 000 Mitarbeiter und ist über die ebenfalls börsennotierte Tochter Fresenius Medical Care (FMC) auch in den USA stark vertreten. Über die Verbindung zu Fresenius könne daher auch Helios künftig den Anreiz bieten, Trends und Entwicklungen aus den USA zu importieren und einen Wissenstransfer zu ermöglichen.

Unterdessen bleibt das Asklepios-Management zuversichtlich. Die Klinik-Gruppe mit Sitz in Königstein/Taunus sieht sich mit 1,9 Mrd. Euro Umsatz schon heute als größter privater Krankenhausbetreiber Deutschlands. Sie ist darüber hinaus auch im europäischen Ausland und den USA aktiv. „Von der in Gießen und Marburg betriebenen Forschung würden wir uns einen Know-how-Schub für den ganzen Konzern versprechen“, sagt Hauptgeschäftsführer Elmar Willebrand.

Allerdings ist Asklepios bereits mit der Übernahme der Landesbetriebskrankenhäuser in Hamburg, der bisher größten Privatisierung auf dem europäischen Krankenhaussektor, intensiv beschäftigt. Zu ihnen gehören sieben Kliniken mit 12 000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 750 Mill. Euro. Während manche Fachleute die Erfahrung von Asklepios bei diesem Großprojekt als Vorteil im Wettbewerb um Gießen-Marburg bewerten, sehen Skeptiker darin eher einen Nachteil. Die enorme Herausforderung in Hamburg, heißt es in Kreisen der Universitätsklinik, könnte die hessische Regierung zu dem Schluss verleiten, Asklepios habe mit Hamburg „schon genug zu tun“.

Ein privater Käufer steht auch in Gießen und Marburg vor einer schwierigen Aufgabe. Das moderne Klinikum in Marburg hat zwar stets schwarze Zahlen geschrieben. Dagegen fallen in Gießen jährlich hohe Verluste an. Die dortige Bausubstanz ist marode. Experten beziffern den Investitionsstau auf 200 Mill. Euro. Ähnlich ist die Situation bei vielen anderen Universitätskliniken in Deutschland. Angesichts leerer Kassen fehlt den Bundesländern das Geld, um die Investitionen zu tätigen. Das hessische Experiment könnte daher Schule machen.

Strukturwandel

Privatisierung: Im deutschen Krankenhaus-Sektor dominieren noch öffentliche und gemeinnützige Betreiber. Nur knapp ein Viertel von 1 868 Akutkliniken befinden sich bisher in Privatbesitz. Am gesamten Krankenhausumsatz von etwa 65 Mrd. Euro halten Private einen Anteil von rund neun Prozent. Doch gehen Fachleute davon aus, dass in den nächsten Jahren zahlreiche öffentliche Kliniken privatisiert werden.

Universitätskliniken: Die 35 deutschen Unikliniken befinden sich bisher noch komplett im Besitz der Länder. Nach Schätzungen aus der Branche schreiben jedoch vier Fünftel der Häuser rote Zahlen. Auch in diesem Bereich dürfte daher der Druck in Richtung Privatisierung zunehmen.

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