Auch Air Berlin zögert mit Übernahme
Thomas Cook stellt Condor-Verkauf infrage

Der Reisekonzern Thomas Cook will den Verkauf seines Ferienfliegers Condor an Air Berlin noch einmal überdenken. Cook-Chef Manny Fontenla-Novoa sagte am Dienstag, der zweitgrößte europäische Reiseanbieter prüfe angesichts veränderter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen, ob der geplante Verkauf seines Condor-Anteils von 75 Prozent an die Berliner Fluggesellschaft nach wie vor sinnvoll sei.

HB FRANKFURT/LONDON. Es würden „ernsthaft verschiedene alternative Möglichkeiten“ sondiert. Fontenla-Novoa äußerte sich damit deutlich zurückhaltender zu dem Vorhaben als noch vor ein paar Wochen. In den kommenden Monaten solle über die Zukunft von Condor, deren restliche Anteile von knapp 25 Prozent der Deutschen Lufthansa gehören, entschieden werden.

Auch Air Berlin stellt die geplante Übernahme des Ferienfliegers Condor auf den Prüfstand. Eine entsprechende Thomas-Cook-Mitteilung sei „in Abstimmung mit uns“ herausgegeben worden, sagte Air-Berlin-Chef Joachim Hunold bei der Hauptversammlung am Dienstag in London. Nähere Angaben wurden auf Aktionärsfragen hin nicht gemacht.

Die im September 2007 angekündigten Fusionspläne von Air Berlin und Condor werden immer noch vom Bundeskartellamt geprüft. Am 9. Oktober wollen die Wettbewerbshüter entscheiden, die Frist wurde mehrmals verschoben. Darüber hinaus strich Air Berlin kürzlich wegen der hohen Treibstoffkosten die Kapazitäten im Langstreckenverkehr um 30 Prozent. Zudem sollen mehrere Kurz- und Mittelstreckenmaschinen am Boden bleiben.

Thomas Cook hat seine Kerosinkosten bislang offenbar besser im Griff. Der Treibstoffbedarf sei für den Rest des laufenden Geschäftsjahres 2007/08 (per Ende September) nahezu vollständig abgesichert, teilte der Konzern mit. In den ersten sechs Monaten bis April reduzierte Thomas Cook den operativen Verlust um 15 Prozent auf umgerechnet 225 Mill. Euro. Die Buchungszahlen für Sommer seien weiterhin in allen größeren Märkten stabil. Fontenla-Novoa bestätigte trotz der hohen Ölpreise und einer schwierigeren wirtschaftlichen Entwicklung die Prognose eines Betriebsergebnisses von 620 Mill. Euro für das Geschäftsjahr 2009/10. Die Cook-Aktie legte an der Londoner Börse über drei Prozent zu.

Der deutsch-britische Konzern, der 2007 aus der Reisesparte der deutschen Arcandor und der britischen Mytravel entstanden war, bekommt ab Anfang Juli einen neuen Finanzchef. Cook-Manager Jürgen Büser übernehme die Aufgabe von Ludger Heuberg, der aus familiären Gründen nach Deutschland zurückkehre und dort Finanzchef für den Bereich Kontinentaleuropa werde.

Das Unternehmen, das immer wieder Akquisitionen im Ausland macht, will in den boomenden russischen Markt einsteigen. Derzeit gehe es dort Gespräche mit zwei potenziellen Partnern, sagte der Vorstandschef. Bis Jahresende könne es ein Ergebnis geben. Steigende Gehälter und eine höhere Nachfrage nach Urlaubsreisen machen russische Konsumenten immer attraktiver für Konzerne wie Thomas Cook und seinen in Hannover ansässigen Erzrivalen Tui, Europas größten Reiseanbieter.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%