Auch deutsche Rentner sind auf Unterstützung angewiesen
In Spanien boomt der Seniorenmarkt

Deutsche Unternehmen entdecken nur zögerlich eine Marktlücke in Spanien: Für die rund 700 000 dort lebenden Deutschen fehlen Einrichtungen, die sich um sie kümmern, wenn sie krank werden. Denn dann kann der Traum vom Lebensabend unter Palmen schnell zum Albtraum werden.

MADRID. Doch nicht nur die Zahl der ausländischen Rentner wächst stetig, auch die eigene Bevölkerung wird immer älter. Die Geburtenrate ist eine der niedrigsten der Welt. 2020 wird jeder vierte Spanier älter als 65 Jahre alt sein, derzeit macht diese Gruppe rund 16 Prozent der Bevölkerung aus.

In den bestehenden spanischen Senioren- und Pflegeheimen fehlen bereits jetzt rund 130 000 Betten, pro Einwohner gibt es in Spanien gerade mal 3,5 Plätze. Auf den Kanaren, Balearen und in Valencia, wo die meisten deutschen Rentner leben, wird noch nicht einmal dieser Prozentsatz erreicht. In Nordeuropa gibt es pro 100 Einwohner bis zu 14 Altenheim- Plätze.

Noch schlimmer ist in Spanien der Mangel bei der ambulanten Pflege. Da es den Beruf Altenpfleger offiziell nicht gibt, fehlen Fachkräfte. Im spanischen Fernsehen versuchten Wohlfahrtsorganisation und Altenheime erst kürzlich, ausländische Hilfskräfte anzuwerben.

„Da tut sich auch ein Riesengeschäft auf, was die Deutschen völlig verschlafen haben“, sagt der in Madrid ansässige Unternehmensberater Georg Mühle. Bisher kümmern sich vor allem kirchliche und gemeinnützige Institutionen wie das Evangelische Johanneswerk in Spanien um hilfsbedürftige deutsche Senioren ohne Familie.

Mühle hat jetzt zusammen mit der internationalen Immobilienberatung Kingsturge die erste spanische Messe rund um den Altenpflege- Markt organisiert. „Spanien ist ein vielversprechender Markt“, sagt Wolfgang Mathis, Marketingchef bei Horcha Reha Liften. Um jeweils zwölf Prozent soll die Branche in Spanien in den kommenden Jahren wachsen.

Die deutschen privaten Altenheimbetreiber wie Marseille-Kliniken oder Curanum scheint das Geschäft noch nicht zu interessieren. Sie waren auf der Messe nicht vertreten. Dabei suchen spanische Unternehmen nach Meinung von Mühle derzeit händeringend Allianzen. Zudem ist der spanische Residenzen- Markt, der 2003 zirka 1,7 Mrd. Euro umsetzte, wesentlich einfacher und auch attraktiver als der deutsche, da er vor allem von privaten und nicht wie in Deutschland zu 60 Prozent von gemeinnützigen Unternehmen kontrolliert wird.

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