Auch für die amerikanischen KLM-Partner ist der Weg in die Allianz frei
Air France-KLM bringt das Skyteam nach vorn

Der Konkurrenzkampf der Fluggesellschaften wandelt sich immer stärker zu einem Wettbewerb dreier globaler Allianzen: der weltweit führenden Star Alliance um Lufthansa und United Airlines, dem Bündnis Oneworld mit American Airlines und British Airways an der Spitze sowie dem Skyteam, angeführt von Air France und der US-Linie Delta Air Lines. Innerhalb dieser Allianzen stimmen die Carrier gemeinsam ihre Flugpläne ab, sie spielen sich gegenseitig Passagiere zu (Codesharing) und binden ihre Kunden über gemeinsame Vielfliegerprogramme (Miles & More etc.).

DÜSSELDORF. Der angekündigte Zusammenschluss zwischen Air France und KLM wird den Konzentrationsprozess auf der Allianzebene deutlich forcieren: Denn nach dem Bankrott der Swissair samt ihrer Qualiflyer Group im Jahr 2001 dürfte auch das von KLM initiierte Bündnis namens Wings bald der Vergangenheit angehören. Branchenkenner halten es für höchst wahrscheinlich, dass neben der KLM später auch ihre bisherigen US-Partner, Northwest und Continental Airlines, in das Skyteam-Bündnis wechseln werden. Skyteam wäre dann größer als Oneworld, und der Abstand zur führenden Star Alliance um Lufthansa würde sich deutlich verringern. Vor allem auf den Nordatlantikrouten erwartet das Skyteam erhebliche Verstärkung (siehe Grafik): Die drei US-Fluggesellschaften Delta, Continental und Northwest Airlines kooperieren auf nationaler Ebene bereits jetzt in einer gemeinsamen Marketing-Allianz. In der Vorwoche gaben sie bekannt, die Partnerschaft über zusätzliche Codeshare-Verbindungen auszuweiten.

Immer wieder rechnen Fluggesellschaften vor, dass ihnen die Mitgliedschaft in einer Allianz wichtige Impulse bringt: Lufthansa hat den Ergebnisbeitrag aus der Star Alliance im Jahr 2001 mit rund 250 Mill. Euro angegeben. Die finanziell schwer angeschlagene Schweizer Fluglinie Swiss erklärte in der Vorwoche euphorisch, der Eintritt ins Oneworld-Bündnis bringe ihr perspektivisch 100 Mill. sfr pro Jahr.

Dass Allianzen indes kein Allheilmittel sind, zeigt ein Blick in die jüngere Vergangenheit: Der australischen Ansett half die Mitgliedschaft beim Marktführer Star Alliance nicht viel weiter, die Gesellschaft meldete nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 Konkurs an und wurde später liquidiert. Neben dem Lufthansa-Partner Air Canada steckt zudem auch das Star-Gründungsmitglied United Airlines, immerhin die zweitgrößte Airline der Welt, in existenziellen Schwierigkeiten: Das Unternehmen hält seinen Flugbetrieb derzeit nur unter dem Gläubigerschutz des US-Konkursrechts aufrecht (Chapter 11). „Das gemeinsame Füllen von Flugzeugen schafft zwar Synergien und wirkt sich positiv auf den Umsatz aus. Im Bestreben, die Kosten in den Griff zu bekommen, haben die losen Allianzen aber nicht wirklich weiterhelfen können“, sagt ein Branchenanalyst. „Wer auf der Kostenseite nicht wettbewerbsfähig ist, braucht sich über andere Dinge keine Gedanken zu machen“, predigte Jürgen Weber während seiner aktiven Zeit als Lufthansa-Chef – und setzte im eigenen Konzern eisern den Rotstift an.

Um dem Flugbetrieb zu erheblichen Einsparungen zu verhelfen, wollen Air France und KLM nun einen anderen, gemeinsamen Weg gehen. Air-France-Chef Jean-Cyril Spinetta nannte sein Vorhaben, einen gesamteuropäischen Flugkonzern zu schmieden, einen „Meilenstein in unserer Industrie“. Die neue Gesellschaft erwartet ab dem fünften Jahr ihrer Fusion eine Verbesserung des operativen Gewinns von jährlich bis zu 495 Mill. Euro – sofern sie von den Wettbewerbsbehörden genehmigt wird. Sie müssen das komplizierte juristische Vertragswerk, das dem neuen Schwergewicht vor allem Landerechte der KLM in den USA sichern soll, erst noch billigen.

Geht alles glatt, hat der Marktführer in spe zwar große Möglichkeiten der Kostensenkung, aber womöglich auch ein neues Problem: Denn trotz aller Beteuerungen des Managements, alle Arbeitsplätze an Bord zu halten, ist das Misstrauen in der Belegschaft groß – bei Air France wie bei KLM.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%