Auch Helmut Lang soll zum Verkauf stehen
Jil Sander steht vor der Trennung von Prada

Die Anzeichen verdichten sich, dass der italienische Modekonzern Prada zwei seiner defizitären Tochterunternehmen verkaufen will: Jil Sander und Helmut Lang. Branchenexperten halten den Verkauf der beiden Modehäuser nach dem Weggang beider Chef-Designer und der angespannten finanziellen Lage Pradas für wahrscheinlich.

lip/mab/tak DÜSSELDORF. Einen entsprechenden Bericht einer italienischen Tageszeitung dementierte Prada nur in Bezug auf den englischen Schuhhersteller Church's. Zu Jil Sander und Helmut Lang hielt man sich bedeckt. „Wir kommentieren keine journalistischen Spekulationen“, sagte ein Sprecher. Branchenexperten halten den Verkauf der beiden Modehäuser nach dem Weggang beider Chef-Designer und der angespannten finanziellen Lage Pradas für wahrscheinlich. Als mögliche Käufer gelten neben dem französischen Luxusgüterkonzern LVMH auch die Designerin Jil Sander selbst.

Prada kämpft seit 2001 mit Schwierigkeiten. Der Wandel vom Mailänder Modehaus zu einem internationalen Luxuskonzern erfolgte Experten zufolge zu hastig. So schluckte Prada in kürzester Zeit mehrere Unternehmen – neben Jil Sander und Helmut Lang auch Fendi. Das italienische Modelabel ist inzwischen an LVMH weiterverkauft worden. Dass die Franzosen jetzt weitere Luxusmarken von den Italienern übernehmen könnten, scheint nicht abwegig. LVMH wollte auf Anfrage keinen Kommentar zu möglichen Zukäufen abgeben.

Bis Mitte 2005 muss Prada eine 700 Mill. Euro Anleihe zurückzahlen. Das ist nicht der einzige Grund, der für den raschen Verkauf der beiden Modehäuser spricht. Prada könnte auf diese Weise auch sein Portfolio vor dem bereits mehrfach verschobenen, nun auf Ende des Jahres terminierten Börsengang bereinigen.

Beide Tochterunternehmen stehen mittlerweile ohne ihre Gründer und Chefdesigner dar. Der exzentrische Prada-Boss Bertelli hatte sich sowohl mit dem Österreicher Helmut Lang als auch mit der Deutschen Jil Sander verkracht. Sie verließen ihre Unternehmen vor einigen Monaten, was in Branchenkreisen als schwerer Schlag für Prada bewertet worden war. Zwischenzeitlich zeigte sich Jil Sander jedoch interessiert, Anteile zurückzuerwerben. Eine Stellungnahme lehnte die Modeschöpferin gestern ab.

Jil Sanders Vorstandschef, Gian Giacomo Ferraris, hatte im März eine weit reichende Restrukturierung angekündigt: Produktion und Logistik werden nach Italien ausgelagert, an der Elbe bleiben sollen nur die Design-Abteilung und das Markenmanagement. Ziel: Bis 2006 wieder schwarze Zahlen schreiben.

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