Auch Lufthansa-Partner United Airlines im Konkursverfahren
Delta Air Lines fliegt der drohenden Pleite entgegen

Die Serie der Hiobsbotschaften im nordamerikanischen Luftfahrtmarkt reißt nicht ab. Zwar hat Marktführer American Airlines im Juli erstmals seit viereinhalb Jahren wieder einen Quartalsgewinn vorlegen können. Die großen Konkurrenten United Airlines und Delta Air Lines stecken allerdings nach wie vor in der Krise fest.

FRANKFURT/ATLANTA. Spiegelbild des Dilemmas ist der anhaltende Kursverfall der Delta-Aktie: Gestern hat Delta-Konzernchef Gerald Grinstein das Papier um weitere 15 Prozent entwertet als er der Belegschaft mitteilte, die bisherigen Sparmaßnahmen würden nicht ausreichen, um die drittgrößte US-Fluggesellschaft vor der Insolvenz zu bewahren.

Delta hat seit 2001 fast zehn Mrd. Dollar verloren, 23 000 Beschäftigte entlassen und Löhne und Gehälter um mehr als eine Mrd. Dollar gekürzt um so die jährlichen Kosten bis Ende 2006 um fünf Mrd. Dollar zu drücken. Auf der anderen Seite hat der Carrier seine Tarife reduziert und eine Reihe neuer Auslandsdienste aufgenommen, um Auslastung und Erlöse zu verbessern. Und dennoch kann das Unternehmen nach Grinsteins Einschätzung der Insolvenz nicht entkommen.

Zwar hat Delta seine Verluste im zweiten Quartal 2005 dank Kostensenkungen auf 388 Mill. Dollar reduzieren können – nach zuletzt 1,97 Mrd. Dollar im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Doch die Einsparungen reichen offenbar nicht aus, um das Unternehmen in seiner aktuellen Aufstellung noch einmal auf Kurs zu bringen. Jüngsten Medienberichten zufolge hat Delta zwar noch Reserven von rund zwei Mrd. Dollar. Doch Analysten befürchten, dass der Konzern bald finanziell ausgezehrt sein könnte: „Im Herbst könnte das Unternehmen in Liquiditätsnöte geraten. Wenn sie ihre Regionalcarrier Comair und Atlanta Southeast Airlines nicht verkauft, droht die Insolvenz“, sagte Jim Corridore, Analyst der Ratingagentur Standard & Poor’s. In seinem jüngsten Bericht schreibt Bear-Stearns-Analyst David Strine, die Rate, mit der Delta gegenwärtig Liquidität verbrenne, mache einen Konkursantrag im vierten Quartal 2005 wahrscheinlich. Susan Donofrio, Analystin bei Fulcrum Global Partners, argumentierte, sowohl Delta als auch Northwest Airlines könnten noch im September Vergleich anmelden, um einer drohenden Verschärfung des US-Insolvenzrechts ab Oktober zu entgehen.

Auch bei United Airlines halten die Turbulenzen an. Die zweitgrößte US-Fluggesellschaft teilte gestern mit, das Verfahren nach Kapitel 11 des US-Konkursrechts werde sich länger hinziehen als bisher geplant. Es schützt United bereits seit zweieinhalb Jahren vor dem Zugriff der Gläubiger. Der Gläubigerausschuss habe mehr Zeit gefordert, um den vorgelegten Sanierungsplan mit seinen „komplexen und umfangreichen“ Dokumenten zu prüfen, hieß es zur Begründung. Bisherigen Planungen zufolge wollte United dem Konkursgericht in dieser Woche einen neuen Finanzierungs- und Strategieplan vorlegen.

In Branchenkreisen hieß es, United verhandele weiter mit Investoren über günstigere Leasingverträge für etwa 130 Flugzeuge sowie mit Banken über ein 2,5 Mrd. Dollar schweres Paket an gesicherten Krediten. United benötigt dieses Kapital, um Übergangskredite abzulösen und seine Liquidität aufzufüllen. Verschiedene private Investmentgesellschaften und Hedge-Fonds sollen ihr Interesse bekundet haben, sich an einer Refinanzierung zu beteiligen. Das stößt aber offenbar auf den Widerstand von Großgläubigern wie General Electric, J.P. Morgan Chase, Citigroup und Deutsche Bank, hieß es in Branchenkreisen.

Vor diesem Hintergrund rechnen Luftfahrtexperten nicht mehr damit, dass United das Konkursverfahren nach Chapter 11 in diesem Jahr noch verlassen wird. Ursprünglich wollte United im Herbst 2005 wieder auf eigenen Füßen stehen. Der United-Mutterkonzern UAL wies im zweiten Quartal – in erster Linie wegen hoher Restrukturierungskosten – 1,43 Mrd. Dollar Verlust aus.

Tief fliegende Schwergewichte

Große Flotten: Die großen US-Flugkonzerne sind nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 in existenzielle Krisen gerutscht. United Airlines und US Airways flüchteten in den Gläubigerschutz des US-Konkursrechts, Marktführer American entging der Pleite 2003 nur knapp. Die klassischen Airlines sitzen auf Kostenstrukturen, mit denen sie im Wettbewerb gegen effiziente Billigflieger wie Southwest oder Jetblue chancenlos sind. So wird United etwa an Standorten wie Los Angeles, Denver, Chicago oder Washington heftig attackiert.

Große Probleme: Der auf Rekordständen verharrende Ölpreis, der die Treibstoffkosten der Airlines dramatisch verteuert, schwächt die Wirkung aller Sparbemühungen ab. Zudem stöhnen die Konzerne über Pensionsverpflichtungen in Milliardenhöhe. Die Branche setzt jetzt (wieder einmal) darauf, dass ihnen die US-Regierung bei der Bewältigung ihrer Probleme behilflich sein wird. Der Staat hatte die Airlines bereits nach den Terroranschlägen in New York nach Kräften unterstützt – und eine Marktkonsolidierung damit verhindert.

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