Auch nach Swiss-Übernahme bleibt die Fluggesellschaft schuldenfrei, doch Integrationskosten belasten
Lufthansa-Ausblick enttäuscht die Börse

Die Lufthansa startet die Integration der Schweizer Fluggesellschaft Swiss aus einer Position der Stärke heraus. Nach schweren Krisenjahren hat sich der deutsche Luftfahrtkonzern 2004 mit einer gesunden Bilanz und einem operativen Gewinn von 383 Millionen Euro an der weltweiten Spitze der Airline-Branche zurückgemeldet.

FRANKFURT/ZÜRICH. Darüber hinaus baute Lufthansa im Vorjahr rund eine Mrd. Euro an Schulden ab und verkündete eine Dividendenzahlung über 0,30 Euro pro Aktie. Ergebnistreiber waren das Kerngeschäftsfeld Passagierverkehr, das im abgelaufenen Geschäftsjahr fast zwei Drittel der knapp 17 Mrd. Euro Umsatz lieferte, sowie die seit Jahren erfolgreiche Wartungstochter Lufthansa Technik. Auch die Frachtairline Lufthansa Cargo kehrte dank energischer Sparmaßnahmen in die Gewinnzone zurück. „Wir sind heute schlanker und leistungsfähiger“, sagte Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber gestern auf der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens.

Finanzvorstand Karl-Ludwig Kley verwies darauf, Lufthansa bleibe auch nach dem Kauf des Rivalen Swiss schuldenfrei. Bei liquiden Mitteln von 3,8 Mrd. Euro werten Branchenexperten die Swiss-Übernahme als Fall für die Portokasse. Die freien Aktionäre sollen im Mai 2005 ein öffentliches Kaufangebot über 45 Mill. Euro erhalten. Die großen Anteilseigner (Bund, Kantone sowie diverse Schweizer Kantone) werden über einen Besserungsschein erst in drei Jahren abgefunden: Die Zahlung über maximal 252 Mill. Euro ist an eine erfolgreiche Entwicklung des Lufthansa-Aktienkurses gekoppelt.

Vom Ausblick des Unternehmens zeigten sich Investoren gestern jedoch enttäuscht: Mit einem Minus von vier Prozent auf einen Kurs von 10,75 Euro quittierten Anleger die Botschaft, dass Lufthansa seinen Gewinn im laufenden Jahr voraussichtlich nicht steigern wird. Finanzvorstand Kley verwies auf die anstehenden Integrationskosten der Swiss sowie auf die erneut deutlich gestiegenen Ölpreise, die alle Fluggesellschaften seit Monaten intensiv belasten.

Es bleibe die große Herausforderung, das operative Geschäft der Schweizer Airline aus den roten Zahlen zu bringen, heißt es bei Luftfahrtanalysten. „Die Chancen überwiegen die Risiken“, glaubt zumindest Ulrich Horstmann von der Bayerischen Landesbank. Der Cash-Abfluss der Swiss sei inzwischen überschaubar und der Zeitpunkt der Übernahme richtig. Lufthansa-Chef Mayrhuber hält es für „eine sehr realistische Prognose“, dass die Schweizer Airline im nächsten Jahr aus der Verlustzone fliegt und 2007 erstmals Gewinn ausweisen kann.

Von diesem Zeitpunkt an verspricht sich Lufthansa Synergien aus der Swiss-Integration in Höhe von mindestens 150 Mill. Euro pro Jahr. Dieser Betrag sei konservativ geschätzt und „nicht ausgereizt“, betonte Mayrhuber. Zunächst sollen sich Arbeitsgruppen darum kümmern, doppelte Strukturen bei Swiss und Lufthansa abzubauen. Dies sei etwa in den Bereichen IT und Einkauf der Fall: „Wir werden überall dort sparen, wo es der Kunde nicht merkt“, sagte der Lufthansa-Chef. Auch die Wartungsfirmen der Swiss müssten sich auf neue Verhandlungen einstellen: „Da besteht Raum für Verbesserung.“

Swiss-Vorstandschef Christoph Franz will auch nach der Übernahme seinen Posten behalten. „Ich habe mein Türschild nicht abgeschraubt“, sagte er gestern in Zürich. Er bekräftigte, die Restrukturierung der Schweizer Fluggesellschaft weiter vorantreiben zu wollen.

Lufthansa will die Swiss in mehreren Schritten vollständig übernehmen und im Konzern als Profitcenter führen. Flotte und Crew der Swiss bleiben erhalten. Die Schweizer Fluggesellschaft wird auch Mitglied im weltweiten Airline-Bündnis Star Alliance. Eine konkurrenzfähige Kostenstruktur und die abgeschlossene Integration vorausgesetzt, könnte Zürich sogar zwei von Lufthansa finanzierte Langstreckenjets hinzubekommen.

Auch Verwaltungsratspräsident Pieter Bouw bleibt weiter an Bord der Swiss. Der 64-jährige Niederländer hatte ursprünglich seinen Rücktritt zur Generalversammlung der Swiss im Mai angekündigt. Gestern verkündete er neue Pläne: Er werde bleiben, bis die Lufthansa – aller Voraussicht nach im Herbst – mindestens 49 Prozent an der Swiss hält.

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