Auf der Suche nach neuen Rezepten
Lebensmitteldiscounter am Scheideweg

Den Discount-Matadoren Aldi und Lidl droht durch die am Dienstag genehmigte Fusion von Plus und Netto Süd eine mächtigere Konkurrenz, als es die bloßen Umsatzzahlen vermuten lassen. Sorgen bereiten dürfte den beiden Marktführern das neue Konzept der künftigen Nummer drei im Discountmarkt.

DÜSSELDORF. Was Markus Mosa, Vorstandschef des neuen Eigentümers Edeka, schlicht mit "frischeorientierter Markendiscounter" umreißt, hat es in Wirklichkeit in sich. Denn mit dieser Ansage reagiert er exakt auf die sich deutlich ändernden Konsumgewohnheiten deutscher Verbraucher.

Die Marktforschungsfirma GfK spricht in ihrer aktuellen Marktuntersuchung sogar von "Discountern am Scheideweg". Konsumexperten wie Gerhard Hausruckinger von der Beratungsfirma Accenture beobachten, dass Verbraucher inzwischen deutlich stärker auf die Qualität achten als auf den Preis. Steigende Lebensmittel- und Spritpreise könnten den Billigangeboten allenfalls kurzfristig noch einmal Rückenwind verleihen.

Für den Discounthandel läutet dies eine Wende ein. Keine Betriebsform expandierte in Deutschland derart rasant wie die Billigläden, deren Prototyp Aldi 1962 vorgab. 1970 lockten gerade einmal 2 000 dieser schmucklosen Supermärkte, heute sind es 16 400. Fast die Hälfte aller Lebensmitteleinkäufe gehen über die Kassentische von Aldi, Lidl, Plus, Penny, Netto oder Norma, wobei sich Lidl mit 13 Mrd. Euro Umsatz und hohen Zuwachsraten immer mehr an Aldi (27 Mrd. Euro) heranpirscht. Netto/Plus wird künftig auf 10,4 Mrd. Euro kommen.

Nicht nur wegen seines Ursprungs ist der Discounthandel ein deutsches Phänomen, er trifft die spezifischen Bedürfnissen der heimischen Bevölkerung. In keinem großen Land Europas ist die Lust am Sparen größer als in Deutschland. Für 55 Prozent der deutschen Verbraucher, das belegte vor einigen Monaten der von Metro in Auftrag gegebene European Consumption Report, ist der Preisvergleich an der Tagesordnung. In Italien bekannten sich 46 Prozent zum täglichen Preisvergleich, in Frankreich, Spanien und Großbritannien waren es gerade einmal 43 bis 39 Prozent.

Entsprechend ist der Discountanteil in keinem Land größer als in Deutschland, wo er zuletzt die 43-Prozent-Marke knackte. In Spanien, Frankreich, Italien und Großbritannien liegt er zwischen zwölf und sechs Prozent. Ein Anteil von 25 Prozent reicht den Polen bereits zur Vize-Europameisterschaft.

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