Auf Heros folgt Arnolds
Geldtransporteure im Zwielicht

Im Februar war der Betrug bei der Geldtransport-Firma Heros aufgeflogen. Nun gibt es beim Konkurrenten Arnolds den Verdacht, dass Millionen beiseite geschafft wurden. Weitere Untreuefälle will der Branchenverband nicht ausschließen. Er appelliert an die Finanzaufsicht BaFin, stärker zu kontrollieren. Doch gerade diese Behörde war im Fall Heros in die Kritik geraten.

HB DÜSSELDORF. Drei Manager des Essener Geldtransport- und Sicherheitsunternehmens Arnolds seien wegen des Verdachts der Veruntreuung von Firmengeldern festgenommen worden, teilte die Essener Polizei am Mittwoch mit. Die beiden geschäftsführenden Gesellschafter – Vater und Sohn – hätten sich selbst der Staatsanwaltschaft Essen gestellt. Sie kamen damit ihrer Festnahme zuvor, denn die Ermittler planten bereits Razzien bei den Verdächtigen. Die beiden Männer hätten gegenüber der Staatsanwaltschaft eingeräumt, dass bei dem Unternehmen seit dem Jahr 2001 ein Fehlbetrag von rund 16,5 Mill. Euro entstanden sei.

Der Geschäftsführer der Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste, Harald Olschok, sagte, weitere Untreuefälle in der Branche könnten nicht völlig ausgeschlossen werden. Die Branche könne die Risiken aber minimieren. Dazu zähle auch, die Kunden dafür zu sensibilisieren, dass Unternehmen Dumping-Preise auf Dauer nicht stemmen könnten: „Seriöse Dienstleistungen setzen gewisse Preise voraus.“ Die Unternehmen könnten die Kosten nur decken, wenn pro Stopp eines Geldtransports bei einem Händler oder einer Bank in Stadtgebieten zwischen 18 und 20 Euro berechnet werde. Bei niedrigeren Preisen sei Vorsicht geboten. Auch müsse die deutsche Finanzaufsicht Bafin ihre Untersuchung der Branche entschieden vorantreiben, um schwarze Schafe besser erkennen zu können.

In der Branche gibt es einen hohen Preisdruck; viele Firmen arbeiteten deshalb nah an der Verlustgrenze oder schrieben rote Zahlen. Das lag nicht zuletzt am insolventen, ehemaligen Marktführer Heros. Dieser hatte Konkurrenten mit Dumpingpreisen unterboten und sich nach bisherigen Erkenntnissen mit veruntreuten Kundengeldern über Wasser gehalten.

BaFin ließ Heros gewähren

Im Fall Heros war auch die BaFin in die Kritik geraten, gleichwohl sie selbst jede Verantwortung ablehnt. Nach früheren Recherchen des Handelsblatts hat es die deutsche Finanzaufsicht fast acht Jahre lang geduldet, dass Geldtransportunternehmen so genannte Finanztransfergeschäfte durchführen, ohne die gesetzlich vorgeschriebene Genehmigung dafür zu besitzen, darunter auch Heros. Am Ende hatten die dortigen Geschäftsführer nach bisherhigen Erkenntnissen 540 Mill. Euro an Kundengeldern veruntreut.

Um der Geldwäsche vorzubeugen, wurde bereits 1998 in das Kreditwesengesetz die Vorschrift aufgenommen, dass Wert- und Geldtransportunternehmen eine Genehmigung von der Finanzaufsicht brauchen, wenn sie die ihnen anvertrauten Geldbeträge auf einem eigenen Verrechnungskonto sammeln und von dort auf Konten der Auftraggeber weiterleiten. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht setzte diese Vorschrift zur Geldwäsche-Prävention aber nicht um. Heros nutzte ein solches Konto bei der Bundesbank. Ob eine Genehmigung bei Arnolds vorliegt, ist noch unklar.

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