Aufgebrachte Kleinaktionäre wollen den Vorstand von Eurotunnel stürzen
Französische Revolution im Tunnel

Die Revolutionäre trinken Sprudel und wollen Börsengeschichte schreiben. Wie fast jeden Donnerstag seit sechs Monaten tagt der Schattenvorstand der Firma Eurotunnel im altehrwürdigen Café Lipp im Pariser Stadtteil Saint-Germain-des-Près.

HB DÜSSELDORF. Die Herren haben Sinn für Symbole. Schon im Mai 1968 wurde hier revoluzzt, zwischen den großen Wandspiegeln, den bunten Jugendstilkacheln und dem abgewetzten Parkett im ersten Stock. Damals traten Frankreichs Studenten an gegen das Establishment. Sie siegten: Ein Jahr später trat Präsident Charles de Gaulle zurück.

Jacques Maillot ging damals nicht auf die Barrikaden, er hatte sich gerade selbstständig gemacht. Sein de Gaulle heißt 36 Jahre später Richard Shirrefs. Der ist Vorstandschef von Eurotunnel, der Betreibergesellschaft des Ärmelkanaltunnels – und Maillot und die seinen wollen ihn am Mittwoch auf einer von ihnen erzwungenen außerordentlichen Hauptversammlung absetzen. Es wäre wohl das erste Mal, dass Kleinaktionäre den Vorstand eines so großen europäischen Unternehmens feuern. An der Börse ist Eurotunnel 1,35 Mrd. Euro wert.

Sabotage und Betrug

Die historische Mission bestimmt das Vokabular. Worte wie „Sabotage“, „Skandal“ und „Betrug“ lassen die Umstürzler über die weißen Tischdecken zischen. Zahlen sind ihre Legitimation: Für 5,33 Euro sind Hunderttausende Kleinaktionäre 1987 bei Eurotunnel eingestiegen, 90 Prozent von ihnen Franzosen. Eine Volksaktie sollte es sein, versprach die Regierung. Viele schossen bei den Kapitalerhöhungen 1990 und 1994 nochmal nach.

Heute notiert das Papier bei 0,54 Euro. Eurotunnel schrieb 2003 rund 1,9 Mrd. Euro Verlust (bei 838 Mill. Euro Umsatz) und kann kaum die Zinsen für seine neun Mrd. Euro Schulden bezahlen.

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