Aufklärung zu Umständen des VTG-Verkaufs gefordert
Bahn-Aufsichtsrat ärgert sich über Tui-Chef

Der Verkauf des Kesselwagen-Vermieters VTG durch den Tui-Konzern nach Frankreich hat im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn Verärgerung über TUI-Chef Michael Frenzel ausgelöst. Frenzel ist zugleich Aufsichtsratschef der Bahn, die sich ebenfalls um VTG bemüht hatte.

HB BERLIN/HANNOVER. „Ich erwarte von dem Aufsichtsratsvorsitzenden, dass er dem Gesamtaufsichtsrat eine Erklärung über den Vorgang abgibt“, sagte sein Stellvertreter Norbert Hansen am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. „Der Bahn ist erheblicher Schaden entstanden.“ Spätestens zur Aufsichtsratssitzung Anfang Juli erwarte er Aufklärung von dem TUI-Chef.

Die Doppelrolle Frenzels als TUI-Chef und Bahn-Aufsichtsratsvorsitzender werfe Fragen auf: „Ich habe ein Problem mit den beiden Verantwortlichkeiten, die er wahrzunehmen hat“, betonte Hansen, der auch Chef der Eisenbahnergewerkschaft Transnet ist. Er kündigte an, auch die Bundesregierung einzuschalten. Dies geschehe zum einen aus kartellrechtlichen Gründen, zum anderen gehe es hier um den Transport von Gefahrgütern. Dieser sei mit einem VTG-Verkauf nach Frankreich nicht mehr in der Hand eines deutschen Unternehmens. „Das Wirtschaftsministerium sollte diesen Aspekt noch einmal prüfen“, sagte Hansen.

Er kritisierte zudem: „Die Entscheidung für die Franzosen wurde praktisch über Nacht getroffen.“ Bis dahin sei signalisiert worden, dass die Bahn gut im Rennen liege. „Möglicherweise hat die Bahn hier nicht die gleiche Chancen im Bieterverfahren gehabt“, sagte Hansen.

Ein TUI-Sprecher wollte sich zu der Kritik und den Fragen Hansens nicht äußern. „Wir kommentieren das nicht“, sagte der Sprecher. Frenzel hatte vor einigen Wochen erklärt, er werde sich persönlich an der Entscheidung über den VTG-Verkauf nicht aktiv beteiligen, um einer möglichen Interessenskollision vorzubeugen. Die Vereinigung privater Eisenbahnunternehmen in Deutschland hatte zuvor erklärt, die Bahn könnte von TUI möglicherweise als Käufer bevorzugt werden.

VTG verfügt über 46.000 Kessel- und Eisenbahngüterwagen und ist nach eigenen Angaben der größte private Vermieter in diesem Bereich in Europa. Das Unternehmen soll nun an eine französische Gesellschaft unter Kontrolle der Finanzinvestorengruppe IPE-Ross gehen. Die Investmentgesellschaft IPE ist wiederum gut zur Hälfte an der Güterbahn-Tochter der französischen Staatsbahn SNCF beteiligt.

Nach Darstellung der Bahn führt der geplante VTG-Verkauf an die Franzosen dazu, dass die SNCF den Kesselwagen-Markt und den Transport von Chemikalien und Mineralöl beherrschen wird. Die Bahn hat daher Kartellbeschwerde eingelegt. Sie hat selbst keine Kesselwagen, sondern leiht diese im wesentlichen von VTG. Mit dem Transport über Kesselwagen macht die Bahn jährlich gut 700 Millionen Euro Umsatz.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%