„Aufrunden bitte“
Wer den Cent nicht ehrt

„Kleine Cents. Große Wirkung“: Mit diesem Slogan wirbt eine Initiative um Spenden. Kunden können ihren Einkauf an der Kasse aufrunden, die Differenz geht an soziale Projekte. Doch viele Händler scheuen den Aufwand.
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DüsseldorfDie blaue Sprechblase klebt inzwischen an Türen und Kassen von 12.000 Läden. Wer ihrem Aufruf folgt und vor dem Bezahlen „Aufrunden bitte“ sagt, tut Gutes - und zwar so: Per Tastendruck erhöht sich der Rechnungsbetrag bis zur nächsten Zehn-Cent-Grenze, etwa von 8,95 auf neun Euro. Die Spende, maximal zehn Cent pro Einkauf, wird auf einem separaten Konto verbucht. Mit dem Geld werden soziale Projekte in Deutschland gefördert.

Hinter der Initiative, die Anfang März gestartet ist, steht die Stiftung "Deutschland rundet auf". Noch ist nur ein kleiner Teil von Deutschlands Händlern dabei: Mit einem Umsatz von etwa 34 Milliarden Euro stehen die 15, die bislang mitmachen, für gut acht Prozent der 420 Milliarden Euro schweren Branche.

Das aber will Christian Vater, Gründer und Geschäftsführer der Stiftung, ändern. Und nicht nur er glaubt daran, dass sich die Teilnehmerzahl bald schon signifikant erhöhen wird. „Die Initiative hat Potenzial“, meint auch Hendrik Fink, Nachhaltigkeitsexperte von der Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC).

Das Spendenvolumen könnte damit schnell in die Höhe schießen. Laut dem Handelsverband Deutschland gehen täglich rund 50 Millionen Menschen hierzulande einkaufen. Wenn davon jeder im Schnitt nur einen Cent spendet, wären das 500.000 Euro. Vater verhandelt zudem gerade über eine Ausweitung der Initiative auf Online-Shops. Das Ausland hat es vorgemacht. In Großbritannien gibt es bereits eine ähnliche Initiative namens „Pennies Foundation“. In den USA haben sich Gastronomen zu „Round it up America“ zusammengetan.

Kommentare zu " „Aufrunden bitte“: Wer den Cent nicht ehrt"

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  • Geniale Geschäftsidee, die vor allem den INITIATOREN nutzt.Man gründet eine Firma, die diesen Blödsinn umsetzt. Vielleicht bleiben noch ein paar Cent, wenn man die dicken GF- Gehälter mit Pensionsansprüchen, Dienstwagen und teure Geschäftsessen mit Schampus und "teurer weiblichen Begleitung" usw abzieht, übrig. - Auf- und Abrunden, wie es z. B. in den Niederlanden praktiziert wird, finde ich dagegen für beide Geschäftspartner fair und in der Abwicklung sinnvoll. Wer spenden will, so dieses gezielt und bewusst tun !!! -

  • Ach Gott, mag ja auf Sie zutreffen, dass Sie Ihre Münzen achtlos aus der Geldbörse werfen. Auf mich trifft's nicht zu. Ich muss selbst um jeden Cent kämpfen. Lebe noch nach der Devise: Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert... Nun gibt's weder Pfennig noch Taler, bis auf weiteres noch verhasste Euros...
    Dennoch ist dieses heuchlerische Betteln um neue Spenden an der Supermarktkasse wohl das Gemeinste, was mir seit langem untergekommen ist... Da bleibt einem glatt die Spucke weg, mutmaßlich will man eine Art psychologischen Druck an der Kasse aufbauen, dass es einem peinlich sein soll, nicht aufzurunden - "Oh, wollen Sie etwa auf den Cent genau herausbekommen, tss, tsss - was, Sie weigern sich, Gutes zu tun? Ach was sind Sie nur für ein Egoist... und schon verzichtet der arme Opi bei jedem Einkauf auf seine letzten Cents und muss zum Monatsende selbst bei der Tafel betteln gehen..."
    All dies, damit sich Anwälte, Wirtschaftsprüfer und Initiatoren dieser Abmelk-Aktion mit der abgestaubten Kohle ein fettes Leben machen und über euch Kasper ablachen können...
    Verdammt nochmal, wo geht denn die ganze Kohle hin, die Jahr für Jahr von den Deutschen frei- und unfreiwillig gegeben wird? Hat das bisher jemals, langfristig irgendwas Gutes bewirkt?
    Millionen Deutsche müssen jeden Cent dreimal umdrehen und kämpfen darum, mit ihren sauer verdienten und versteuerten paar Pimperlingen über die Runde zu kommen...
    Lasst euch doch nicht für dumm verkaufen...
    Bei der Aktion gehts mal wieder darum, mit Wischiwaschi-Gutmenschenparolen die dicke Kohle an der Basis abzugreifen, damit sich die Initiatoren feiern lassen und sich mit den Spendengeldern Nutten und Maseratis kaufen.
    Zwar seit 10 Jahren nur Reallohnverluste, Steuer- und Abgabenerhöhungen und Euroknechtschaft - aber klar, Gutes tun, tut immer gut...

  • @schabernick

    "Ich runde gerne auf, alleine schon die Zeitersparnis sind mir die, im Schnitt, 5 Cent wert."

    Darauf hoffen die. Wie gerundet auch immer, den Preis legen die Geschaefte fest. Dieser Beitrag koennte 0,51 kosten oder auch nur 0,49 - es liegt einfach nur an dem Ergebnis, welches man erreichen moechte. 0,51 bringt natuerlich mehr in die Tasche bei Aufrundungswilligen, wenn man solche Konsumenten wie den schabernick hat - oder sollte dies schabernak heissen?

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