Aufschwung: Dienstleistungsbranche durchbricht Investitionsstau

Aufschwung
Dienstleistungsbranche durchbricht Investitionsstau

Der Abschluss der Koalitionsverhandlungen hat am Ende des Jahres zu einem kräftigen Anstieg der Nachfrage bei deutschen Dienstleistern geführt. Viele Kunden gaben zuvor verschobene Projekte in Auftrag. In der Branche hat dies für neue Arbeitsplätze gesorgt.

HB BERLIN. Der RBS/NTC-Service-Index erreichte mit einem Sprung um 1,2 auf 56,0 Punkte überraschend den zweithöchsten Stand der vergangenen fünf Jahre, wie das britische Forschungsinstitut NTC am Donnerstag mitteilte. Ermutigt durch den Abschluss der Koalitionsverhandlungen gaben viele Kunden zuvor verschobene Projekte in Auftrag – NTC wertete das als ersten Abbau des Investitionsstaus. In der gesamten Euro-Zone legte die Branche so kräftig zu wie seit fast zwei Jahren nicht mehr.

Analysten hatten lediglich mit einer geringen Verbesserung gerechnet. Auch in der Industrie hatten die Geschäfte am Jahresende deutlich angezogen, wie bereits der entsprechende Einkaufsmanagerindex signalisiert hatte. NTC-Chefvolkswirt Chris Williamson äußerte die Hoffnung, dass die Erholung andauert: „Das ist nicht nur ein guter Wert im Vergleich zu den letzten fünf Jahren, sondern auch ein sehr breit angelegter Aufschwung.“ Die Aussicht auf ein Anziehen der Binnenkonjunktur und Investitionen bei ihren Kunden stimmte die Dienstleister so optimistisch wie seit neun Monaten nicht mehr.

Auch aus dem Ausland verzeichneten Dienstleister wie Hotels, Speditionen und Banken einen Anstieg der Nachfrage, das Barometer für den gesamten Auftragseingang kletterte auf 54,0 von 51,2 Zählern. Dennoch litten viele Firmen noch nicht unter Kapazitätsengpässen, da ihr Auftragsbestand weiter sank. Zum dritten Mal innerhalb der vergangenen fünf Monate stellten die Betriebe insgesamt neue Mitarbeiter ein und sorgten so für einen Anstieg dieses Indikators auf 50,6 von 49,7 Punkten. Knapp ein Drittel der Firmen erwartet für 2006 bessere Geschäfte, lediglich 16 Prozent einen Geschäftsrückgang. „Die Firmen profitieren von der Erholung der Konsumnachfrage und außerdem bekommen sie das stärkere Wachstum der Industrie zu spüren“, erläuterte Williamson. „Sie merken, dass sich wirklich etwas tut.“

Der RBS/NTC-Service-Index für die Euro-Zone kletterte im Dezember unerwartet auf 56,8 von 55,2 Punkten im November, wie das britische Forschungsinstitut NTC am Donnerstag mitteilte. Angesichts der lebhaften Nachfrage und eines wachsenden Auftragspolsters stellten die Firmen so viel neues Personal ein wie seit Mitte 2001 nicht mehr - auch ihr Optimismus nahm deutlich zu. „Das Wachstum der Neuaufträge hat viele Firmen überrascht“, sagte Williamson und verwies auf den kräftigsten Anstieg der Auftragsbestände seit fünf Jahren. „Die Firmen stellen deshalb neue Mitarbeiter ein - darauf haben wir seit langer Zeit gewartet.“

Einziger Wermutstropfen für die über 2000 befragten Dienstleister war die Preisentwicklung: Nur wenige Firmen konnten den rasanten Kostenanstieg an ihre Kunden weitergeben. Zum dritten Mal in Folge verbuchten die französischen Dienstleister das kräftigste Wachstum, während ihre spanischen Konkurrenten erneut das Schlusslicht waren.

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