Aufsichtsratssitzung
Karstadt bangt, beschließt aber nichts

Gnadenfrist für Karstadt oder knallharte Sanierung? Das Schicksal des Traditionsunternehmens ist weiter ungewiss. Ein mit Spannung erwartetes Treffen des Karstadt-Aufsichtsrats brachte keine neuen Ergebnisse.
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EssenEs wurde eine Zerreißprobe für die Nerven der rund 17 000 Karstadt-Beschäftigten. Hinter verschlossenen Türen wurde am Donnerstag bei einer Marathon-Sitzung über das Schicksal der seit Jahren ums Überleben kämpfenden Warenhauskette beraten.

Das Ergebnis: Auch die Schließung verlustreicher Filialen wird nicht ausgeschlossen. Nachdem die in den vergangenen Jahren verfolgte Strategie wirtschaftlich fehlgeschlagen sei, sei ein solcher Schritt zwingend.

Notwendig sei auch eine Senkung der Personalkosten, um Wettbewerbsnachteile auszugleichen. Konkurrenten seien mit über 20 Prozent weniger Personal auf vergleichbarer Fläche deutlich erfolgreicher. Konkrete Schließungsbeschlüsse seien jedoch noch nicht gefasst worden, teilte das Unternehmen nach stundenlangen Beratungen am Abend weiter mit.

Nach dem überraschenden Einstieg des Tiroler Immobilieninvestors René Benko war das zuvor mehrfach verschobene Treffen mit Spannung erwartet worden. Bereits vor der ersten Sitzung nach dem Eigentümerwechsel war über harte Einschnitte unter den 83 Karstadt-Häusern spekuliert worden.

Doch zunächst geschieht wenig Konkrete Entscheidungen über das Schicksal der einzelnen Filialen stehen, wie das „Handelsblatt“ bereits zuvor berichtet hatte, erst bei einer Sitzung im Oktober auf dem Programm. Doch nach dem erfolglosen Engagement seines Vorgängers Nicolas Berggruen rechnen Experten nun mit einem energischen Durchgreifen des neuen Eigentümers.

„Benko wird einen harten Schnitt machen müssen“, so der Geschäftsführer der Managementberatung Brand Trust, Klaus-Dieter Koch.

Ob der neue Karstadt-Eigentümer persönlich angereist war, blieb zunächst unklar. Nach der Umbesetzung des Kontrollgremiums verfügt Benko jedoch über mehrere Vertraute im neuen Aufsichtsrat. Auch im Management des Warenhausunternehmens stehen nach dem Abgang der Karstadt-Chefin und einstigen Hoffnungsträgerin Eva Lotta Sjöstedt Neubesetzungen an.

Als starker Mann hinter den Karstadt-Kulissen gilt unter Beobachtern weiterhin Aufsichtsratschef Stephan Fanderl. Der Handelsexperte hatte die Beschäftigten schon vor knapp zwei Monaten unmissverständlich auf einen harten Sanierungskurs eingestimmt.

„Es ist klar, dass Karstadt in der derzeitigen Situation alles auf den Prüfstand stellen muss. Und zwar schnell“, betonte Fanderl damals in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Bis zu ein Viertel der 83 Karstadt-Filialen bereiteten dem Unternehmen Sorgen und könnten vor der Schließung stehen, so Fanderl in dem Interview. In anderen Berichten heißt es sogar, dass bis zu 30 Filialen bedroht sein könnten.

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