Aufsichtsratstreffen soll Streit um Bahn-Zahlen klären
Mehdorn: Bahn-Zahlen sind schlüssig und korrekt

Bahnchef Hartmut Mehdorn hat jegliche Zweifel an der Bilanz des Verkehrskonzerns und dessen Planungen von sich gewiesen. Vermutungen, die Zahlen seien schöngerechnet worden, seien bösartig. Im Streit um einen Bahn-Börsengang und die Finanzplanung des Unternehmens soll nun eine Sondersitzung des Aufsichtsrats für Klarheit sorgen.

HB BERLIN. Das Treffen werde voraussichtlich im Oktober stattfinden, sagte der Vize-Aufsichtsratsvorsitzende Norbert Hansen am Montag bei einer Veranstaltung der „Allianz pro Schiene“ in Berlin. Der Bahnvorstand bestätigte am Abend, dass die Sitzung einberufen werde. Hansen, der auch Chef der Gewerkschaft Transnet ist, verlangte eine Korrektur der Mittelfristplanung der Deutschen Bahn sowie klare Aussagen des Verkehrsministeriums zu einem Börsengang. Die Zahlen müssten unter anderem an die Kürzungen der Bundesmittel angepasst werden. Der geplante Abbau von 37 000 Stellen bis 2007 müsse zudem vom Tisch, verlangte Hansen. Realistisch sei ein Abbau von 12 000 bis 14 000 Stellen.

Bahnchef Hartmut Mehdorn zeigte sich offen für eine Sondersitzung des Aufsichtsrats. Dies sei eine Möglichkeit, Vorwürfe zu klären, „die in die Kriminalisierung meiner Person gehen“. Dem Bahnchef war von mehreren Seiten Bilanzschönung vorgeworfen worden, um einen schnellen Börsengang zu ermöglichen.

In den vergangenen Tagen hatte es Unruhe über die Politik der Bahn besonders in Hinsicht auf einen Börsengang gegeben. Laut Unternehmenskreisen rechnet die Bahn zwar bis 2007 mit rund sechs Mrd. weniger Bundesmitteln als bislang erwartet. Mehdorn schwor aber seine Führungskräfte in einem Sieben-Punkte-Plan dennoch auf einen schnellen Börsengang ein. Mehdorn räumte ein, auch die Bahn müsse vor allem bei Investitionen sparen. „Das hat aber nichts mit der Bilanz zu tun“, sagte Mehdorn. Kürzungen im Bestandsnetz werde es mit ihm nicht geben. Man sei über die Höhe der künftigen Bundeszuschüsse im Gespräch mit dem Ministerium.

Auch Hansen hatte am Wochenende Mehdorn vor Bilanzschönung gewarnt und darauf hingewiesen, dass die Arbeitnehmervertreter bereits die im vorigen Jahr vorgelegte Mittelfristplanung als unrealistisch abgelehnt hatten. Er forderte, im Aufsichtsrat müssten die Vorwürfe der Bilanztricksereien geklärt werden. Die Bahn will nach Angaben aus Unternehmenskreisen zumindest einen Investor bis vor der Bundestagswahl 2006 gewinnen. Die Bundesregierung hat mehrere Arbeitsgruppen eingesetzt, um offenen Fragen eines Börsenganges zu beantworten. Ein Datum hat die Regierung bislang nicht genannt. Ein Sprecher des Verkehrsministeriums betonte, es gebe keine Hinweise auf eine Schönung der Bahn-Bilanz.

Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) müsse klarmachen, dass es ein solches Datum auch demnächst nicht geben werde, weil die Bahn noch lange nicht reif für einen Börsengang sei, verlangte Hansen. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen sollten bei der Aufsichtsratssitzung vorgelegt werden und Klarheit über künftige Bundesmittel gegeben werden. So sei die Frage der noch zugesagten Mittel von noch 300 Mill. € zur Bekämpfung der Folgen der Flut im vergangenen Jahr offen.

Auf Grund der Kürzungen bei Investitionen würden auch die Rationalisierungseffekte beim Personal deutlich geringer ausfallen als von der Bahn geplant. Nach Hansens Angaben wollte die Bahn durch Modernisierung des Netzes und der Stellwerke rund 15 000 Stellen bis 2007 sparen. Hier gebe es bereits eine Verzögerung von rund zwei Jahren gegenüber der Planung, sagte Hansen. Durch Änderungen unter anderem beim Service sollten weitere 8000 Stellen gestrichen werden. Zum dritten sollten 15 000 Stellen wegfallen, ohne dass dies näher begründet worden sei. Insgesamt ergibt sich so eine Summe von 37 000 Arbeitsplätzen, die wegfallen sollen. Nach seinen Berechnungen könnten bis 2007 höchstens 12 000 bis 15 000 Stellen wegfallen. Derzeit hat die Bahn ohne den gekauften Logistiker Stinnes knapp über 200 000 Beschäftigte. Das Unternehmen hatte stets betont, Personalabbau sei kein Ziel. Ein geplanter Abbau von 37 000 Stellen wurde nicht bestätigt.

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