Aufstieg und Fall
Warum Schleckers Riesenreich zusammenbrach

Anton Schlecker war der Drogeriekönig Europas. Knapp 40 Jahre nach der Eröffnung seiner ersten Filiale ist sein Geschäftsmodell gescheitert. Schleckers Riesenreich zerbricht. Warum alles auf die Insolvenz hinauslief.
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DüsseldorfRote Preisschilder, die „30 Prozent auf alles!“ versprechen, verstaubte Deoroller neben billigem Katzenfutter, Verkaufsregale, in denen riesige Lücken klaffen – der Räumungsverkauf in 2200 Filialen der insolventen Drogeriekette Schlecker hebt sich kaum noch von dem Bild ab, mit dem der Filialist aus dem schwäbischen Ehingen bereits in den vergangenen Jahren Kunden zur Konkurrenz trieb.

Wehmut und Betroffenheit bei den Angestellten, Häme bei den Verbrauchern. „Dass die ranzige, olle Filiale hier schließt“, postet eine Handelsblatt-Leserin auf Facebook, „tut mir nicht weh. Schließlich gibt es jetzt einen modernen Rossmann um die Ecke.“ Schleckers Mitarbeiter könnten doch froh sein, schreibt ein anderer, durch die Pleite endlich dem Sklavendienst zu entkommen. Die Geschichte des deutschen Drogerie-Marktführers ist die von Sturheit, Ratlosigkeit und Größenwahn.

Dabei stand eine findige Idee am Anfang. Als 1974 die Preisbindung für Drogerieartikel abgeschafft wurde, die Hersteller wie Nivea oder Tempo bis dahin den Verkaufsstellen vorschreiben durften, witterte Anton Schlecker seine Chance: Er eröffnete kleine, einfache Läden mit wenig Personal – dafür aber überall in Deutschland. Wer bei den Herstellern große Mengen orderte, der bekam bei ihnen hohe Rabatte. Und Schlecker orderte am meisten – schließlich besaß er europaweit rund 11.000 Filialen, zeitweilig das größte Ladennetz des Kontinents.

Der Aufstieg zu Europas Drogeriekönig versetzte Außenstehende in Erstaunen. 1977 weihte Schlecker den hundertsten Laden ein, sieben Jahre später den tausendsten. Und auch in den 90er-Jahren hieß es: Wachsen, wachsen, wachsen – auch im Ausland. Schon 1994 besaß Schlecker 5000 Filialen und bekam die besten Konditionen beim Einkauf. Es waren goldene Zeiten.

Die Preisabschläge, so das Kalkül des Firmengründers, konnte er an die Kunden weiterreichen. Das wiederum steigerte den Umsatz und Schleckers Einkaufsmacht gegenüber der Industrie – ein scheinbares Perpetuum mobile.

Stimmen von Experten, die schon vor einem Jahrzehnt vor einer Marktsättigung warnten, schlug der gelernte Metzgermeister in den Wind. Weil der Umsatzzuwachs aber immer schwieriger zu bewerkstelligen war, wagte sich der heute 68-Jährige mit seinen Läden selbst in die tiefste Provinz. Kein Provinznest, das vor den blau-weißen Verkaufsstellen mit dem großformatigen „Schlecker“-Logo sicher war.

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