Auftragsrückgang
Speditionen fahren auf Abgrund zu

5 000 Insolvenzen, 40 000 Arbeitslose - die Prognosen des Bundesverbandes Güterverkehr klingen düster. Der Branche fehlen Aufträge. Der Staat verschärft die Lage durch die erhöhte LKW-Maut, will die angeschlagene Branche aber mit Staatshilfen unterstützen.

FRANKFURT. Die deutsche Speditionsbranche gerät zusehends unter Druck. Während Aufträge aufgrund der Krise ausbleiben und die zu Jahresbeginn erhöhte Mautgebühr die Bilanzen belastet, leidet die Branche nun auch noch unter der zögerlichen Kreditvergabe der Banken. Karlheinz Schmidt, Geschäftsführer des Bundesverbands Güterverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) rechnet für das laufende Jahr mit der Insolvenz von 5 000 weiteren Betrieben sowie dem Verlust von 40 000 Arbeitsplätzen in Deutschland.

Bei dieser Turbulenz hilft der Bund nun mit zusätzlichen 100 Mio. Euro aus. Insgesamt beträgt die Unterstützung für die Branche damit 650 Mio. Euro. Schmidt sieht das anders: „Das ist wirklich eine Frechheit und eine Verhöhnung der Opfer.“ Die Speditionen seien so nicht entlastet. Das sei ein Konjunkturprogramm für die Automobilbranche.

Noch halten sich die meisten Unternehmen mit Auftragsbeständen aus der Vergangenheit über Wasser. Für die Zukunft jedoch gehen 55 Prozent der Spediteure von einer ungünstigen Geschäftsentwicklung aus. Die Branche braucht aber zwingend Neuaufträge, sonst drohen vermehrt Insolvenzen. Denn stillstehende Lastwagen finanziert keine Bank: „Auf die schönen blauen Augen des Mittelstands gibt hier keiner mehr Geld“, kritisiert Schmidt die deutschen Kreditinstitute.

Die Spediteure befinden sich in einem Teufelskreis, aus dem sie nur herauskommen, wenn sich entweder die Auftragslage stabilisiert oder die Kredite wieder fließen. Vorerst aber schreibt der eine oder andere rote Zahlen, wie die Bamberger Spedition Dümler. „Es wurden alle Investitionen gestoppt“, klagt Inhaber Bernhard Dümler. Dabei sind diese in vielen Fällen dringend notwendig. Denn durch die Maut sind ältere Lkws wegen ihrer höheren Abgaswerte besonders belastet. Gleichzeitig sind die häufig kleinen und mittelständischen Betriebe durch die hohen Spritpreise im vergangenen Jahr an ihre finanziellen Grenzen gestoßen. „Die Betriebe gehen ausgeblutet in die Schlacht“, bestätigt Schmidt. Und Barbara Rauch, Sprecherin des DSLV, konstatiert: „Die Maut hat die Bundesregierung zur Unzeit erhöht.“

Seit dem 1. Januar müssen die Spediteure für schwere Lastwagen durchschnittlich statt bisher 13,5 Cent 16,3 Cent pro Kilometer bezahlen. Der Verband bayerischer Transport- und Logistik-Unternehmen hat errechnet, dass die Maut für Lastwagen der Schadstoffklasse drei um etwa 72 Prozent steige. So kalkulieren Mittelständler mit 50 Lastwagen, von denen die Hälfte noch in diese Schadstoffklasse fällt, beispielsweise mit 180 000 Euro Mehrkosten im Jahr.

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