August-Wilhelm Scheer
„Wir sind zu klein, um es alleine zu schaffen“

August-Wilhelm Scheer gehört zu Deutschlands IT-Pionieren und hat sein Softwareunternehmen IDS Scheer zum drittgrößten deutschen Softwareunternehmen gemacht. Im Handelsblatt-Interview verrät er, warum er sein Unternehmen an die Software AG verkauft hat und welche Rolle er künftig im Unternehmen spielen will.

Handelsblatt: Herr Scheer, Sie haben IDS Scheer vor 25 Jahren gegründet, zum drittgrößten deutschen Softwareunternehmen geformt und leiten heute noch den Aufsichtsrat. Warum haben Sie sich entschieden, Ihren 41-prozentigen Anteil zu verkaufen?

Scheer: Ich habe das Unternehmen lange selbstständig gehalten, das war mein Ziel – ich wollte nicht schnell Kasse machen. Aber die IT-Industrie wird erwachsen und konsolidiert sich, wie sich zuletzt bei der Übernahme von Sun durch Oracle gezeigt hat. Inzwischen haben wir es mit riesigen Weltkonzernen zu tun. IDS Scheer ist mit seinen 3 000 Mitarbeitern zu klein, um es alleine zu schaffen.

Warum haben Sie sich für das Angebot der Software AG entschieden?

Ich will, dass IDS Scheer weiterhin sichtbar ist, deshalb habe ich nicht an einen Großkonzern verkauft. In dem fusionierten Unternehmen wird IDS Scheer fast gleichberechtigt sein.

Welche Rolle hat der üppige Preis gespielt?

Ob die Software AG einen Euro mehr oder weniger pro Aktie bezahlt, entscheidet nicht darüber, ob ich mir ein oder zwei Frühstückseier leisten kann. Ich habe den Aktionären beim Börsengang 1999 aber versprochen, nicht unter dem Emissionspreis von 12,50 Euro zu verkaufen, das wäre nicht fair gewesen. Das habe ich gehalten. Im Übrigen haben es nicht viele IT-Firmen geschafft, das Kursniveau zur Zeit der New Economy wieder zu erreichen. Das ist eine durchaus beachtliche Leistung.

Wie haben die Mitarbeiter auf Ihre Entscheidung reagiert?

Wir haben am Stammsitz in Saarbrücken eine Mitarbeiterversammlung einberufen und die Mitarbeiter an den anderen Standorten per Webcast zugeschaltet. Es ging emotional zu, aber nachdem ich meinen Entschluss begründet habe, gab es Standing Ovations. Denn der Verkauf wird dazu beitragen, die Arbeitsplätze zu sichern.

Werden Sie sich nach der Übernahme noch im Unternehmen engagieren?

Ich habe mit Software-AG-Chef Karl-Heinz Streibich über Beratertätigkeiten gesprochen, das kann ich mir durchaus vorstellen. Aber ich werde auf keinen Fall eine operative Tätigkeit übernehmen, das ist Aufgabe des Käufers.

Till Hoppe
Till Hoppe
Handelsblatt / Europa - Korrespondent in Brüssel
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%