Auma-Chef Thomas Hagen
„Ausstellungen haben Zukunft“

„Im Segment der internationalen Messen wird Deutschland noch viele Jahre führend bleiben“, sagt Auma-Chef Thomas Hagen. Im Interview spricht er über den Wettbewerb, über die Grenzen des Wachstums und die Zukunft der Messewirtschaft.

Handelsblatt: Kürzlich feierte der Auma den 100-jährigen Geburtstag. Deutschland ist das führende Messeland. Wie lange noch?

Thomas Hagen: Im Segment der internationalen Messen – ich meine Messen mit hoher Internationalität auf der Aussteller- und Besucherseite – wird Deutschland noch viele Jahre führend bleiben. Natürlich gibt es schon seit langem in den USA mehr Messen und mehr Aussteller und Besucher als in Deutschland. Aber diese Messen sind in erster Linie auf den nordamerikanischen Binnenmarkt ausgerichtet. Ähnlich ist jetzt die Entwicklung in China. Auch dort zielen die Messen in erster Linie auf den zweifellos riesigen Binnenmarkt. Die großen europäischen Wettbewerber wie Frankreich, Italien und Spanien holen zwar auf, aber eine akute Gefährdung der deutschen Position sehe ich nicht.

Ist das Instrument Messen für die Aussteller noch zeitgemäß?

Messen sind sehr wohl noch zeitgemäß. Wer Vertrauen bei neuen Kunden schaffen will, wer Werbeaussagen beweisen will, wer neue Technik und neues Design erlebbar machen will, kommt um Messen nicht herum. Deshalb bin ich von der Zukunft des Instruments Messe überzeugt. Allerdings muss immer klar sein, welche genaue Zielgruppe eine Messe eigentlich hat. Und noch wichtiger ist, dass die Zielgruppe auch weitgehend vollständig anwesend ist. Hier gibt es gelegentlich Differenzen zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

Allerseits wird der ruinöse Subventionswettlauf im Messegeschäft beklagt. Wie sehen Sie das?

Wettbewerb ist grundsätzlich gut, denn der verbessert in der Tat die Qualität, und gegen günstige Preise habe ich selbstverständlich nichts. Niedrige Preise aufgrund von Subventionen helfen allerdings auch dem Aussteller auf Dauer nicht, denn er zahlt dies quasi selbst durch seine Steuern.

Stuttgart hat gerade ein neues Messegelände eröffnet. Nun müssen die neuen Hallen mit Veranstaltungen gefüllt werden. Gibt es Grenzen des Wachstums?

Sicherlich gibt es Grenzen des Wachstums. Wenn unsere Branche in diesem Jahr im Inland real um ein bis zwei Prozent wächst, ist das schon ein Erfolg. Eine Veranstaltungsinflation sehe ich nicht. Und wenn es für eine Branche wirklich zu viele Messen gibt, sollten die Aussteller auch stärker den Mut haben, ihre Beteiligungen kritisch zu prüfen, damit der Markt schneller bereinigt wird.

Was halten Sie von der Privatisierung der Messegesellschaften?

Dem Aussteller ist es relativ egal, wem eine Messegesellschaft gehört, solange das Preis-/Leistungsverhältnis stimmt. Spezifische Vorteile für Aussteller erwarte ich von einer Privatisierung nicht. Wenn die Eigentümer der Messegesellschaften der Auffassung sind, dass eine Privatisierung aus finanziellen oder strategischen Gründen sinnvoll ist, ist das deren Entscheidung.

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