Auma-Präsident Thomas H. Hagen: „Die Messebranche muss aus den geschützten Strukturen heraus kommen“
Harter Kampf um Messethemen

Unter den deutschen Messegesellschaften tobt ein harter Wettbewerb um Messethemen und vollständige Veranstaltungen. Ideen werden gnadenlos kopiert, und selbst die mehr oder minder offene Abwerbung ganzer Messen von der Konkurrenz ist kein Tabu. Thomas H. Hagen, Alleinvorstand der Detmolder Weidmüller-Gruppe und als Aussteller-Vertreter Vorsitzender des Ausstellungs- und Messeausschusses der Deutschen Wirtschaft (Auma), sieht die Entwicklung kritisch.

HB DETMOLD. „Es ist sehr problematisch, wenn innerhalb Deutschlands identische Messen für identische Zielgruppen organisiert werden“, sagt er. Denn: „Das führt leicht zur Aufspaltung des Aussteller-Potenzials, konterkariert also den Messezweck, dem Besucher geballte Informationen an einem Platz zu bieten. Damit verlieren die Veranstaltungen an Attraktivität. Vollends unschön wird es, wenn Messekopien in direkter Nachbarschaft des Originals entstehen.“

Hauptursache ist die Besitzstruktur der Branche – die großen deutschen Messen gehören durchweg Ländern und Kommunen. Ausgeprägte Regionalinteressen und die dafür eingesetzten Subventionen haben zu hohen Überkapazitäten bei den Ausstellungsflächen geführt. Das Regulativ des Marktes fehlt. So wird die Hallenfläche von derzeit 2,65 Millionen Quadratmetern auf den 24 Messegeländen von überregionaler Bedeutung weiter wachsen.

Die Nachfrage aber ist schon seit mehreren Jahren gesunken. Die Talfahrt der Flächenauslastung hat sich zwar im vergangenen Jahr deutlich verlangsamt. Dass aber die Zahl der vermieteten Quadratmeter in absehbarer Zeit wieder steigt, können die Messechefs nur hoffen – die Konzentration und die Insolvenzen in vielen Kunden-Branchen zeigen ebenso Wirkung wie die Sparsamkeit der Unternehmen.

Ein „fairer“ Weg, die Hallenflächen besser auszulasten, ist echte Innovation – viele Messegesellschaften bemühen sich, neue Themen zu finden oder Teilaspekte bekannter Großmessen eigenständig zu vermarkten. Doch die Themen werden knapp. Und dass Projekte fehl schlagen können, ist normal. Aber: „Viele Veranstalter müssen noch lernen, dass Flops dem Image beim Kunden schaden“, mahnt der Auma-Präsident. „Wirklich unglücklich werden alle Beteiligten, wenn Flops nicht rechtzeitig vom Markt genommen werden.“

Nicht zuletzt deswegen ist Hagen „gegen jede Art von Subventionen“. Nach seiner Überzeugung muss die Branche „aus den geschützten Strukturen heraus kommen“. Wettbewerb sei gut, „weil Grenzanbieter gezwungen sind, vom Markt zu gehen.“ Diese Ansicht findet selbst unter Messe-Chefs Zustimmung. „Warum soll nicht auch eine Messegesellschaft in die Insolvenz gehen können?“, fragt etwa der Frankfurter Messe-Geschäftsführer Michael von Zitzewitz.

Die Privatisierung der deutschen Messen ist für den Auma-Vorsitzenden kein Thema: „Ob und wie sie das machen, müssen die Eigentümer, also die Länder und Kommunen, entscheiden“. Ihm geht es vielmehr um die Ausrichtung der Messen: „Unser Stichwort heißt Kundenzentrierung. Uns geht es nicht um lokalen Protektionismus – wir wünschen uns die globale Betreuung.“

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