Aus für Air-Berlin-Tochter

Zehntausende Niki-Reisende müssen nach Hause

Niki ist insolvent und fliegt nicht mehr. Das hat Folgen für Tausende Reisende der Air-Berlin-Tochter. Mehrere Airlines basteln an Ersatz-Flugplänen. Beim Ferienflieger Condor sollen Niki-Passagiere kostenlos fliegen.
Update: 14.12.2017 - 11:59 Uhr 5 Kommentare

„Ein Funke Hoffnung“ – Rettet Niki Lauda die Pleite-Airline?

„Ein Funke Hoffnung“ – Rettet Niki Lauda die Pleite-Airline?

Frankfurt/BerlinNach dem Aus der Ferienfluglinie Niki wollen die deutschen Airlines bei dem Rücktransport von gestrandeten Passagieren aus dem Ausland helfen. Die Fluggesellschaften würden Niki-Fluggästen, die keine Pauschalreise gebucht haben, noch verfügbare Sitzplätze zu Sonderkonditionen anbieten, teilte der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft am Donnerstag in Berlin mit. Dabei handelt es sich um eine Art Aufwandsentschädigung. Für Pauschalreisende seien die Reiseveranstalter verantwortlich.

Niki hatte am Mittwochabend Insolvenz angemeldet, nachdem die Lufthansa ihr Angebot für die Tochter der ebenfalls insolventen Air Berlin zurückgezogen hatte. Vorbehalte der EU-Kommission gegen den Deal wögen zu schwer. Das Amtsgericht Charlottenburg bestellte am Donnerstag Lucas Flöther zum vorläufigen Insolvenzverwalter.

Von der Niki-Pleite sind etwa 1000 Mitarbeiter betroffen. Diese werden am Vormittag von der Geschäftsführung über den Stand der Dinge informiert. Am Flughafen Wien-Schwechat war eine Betriebsversammlung geplant. Nach dem Platzen des Verkaufs an die Lufthansa sind alle Maschinen von Niki seit Mitternacht am Boden.

Der Ferienflieger Condor will Passagiere, die direkt bei Niki gebucht haben, nach eigenen Angaben kostenfrei nach Deutschland zurückfliegen soweit Sitzplätze verfügbar sind. Condor kündigte den Aufbau zusätzlicher Kapazitäten an. Die Reisenden sollten sich direkt an die Check-in Schalter am jeweiligen Flughafen wenden. Nach Angaben des Insolvenzverwalters Nicolas Flöther wollten in den kommenden 14 Tagen rund 40.000 Flugreisende mit Niki ihre Heimreise antreten. Davon hatten rund 15.500 ihre Reise selbst gebucht.

So sitzen etwa auf Mallorca zahlreiche Urlauber fest. Allein am Donnerstag würden sechs Flüge zwischen Palma und Frankfurt, Hamburg und Düsseldorf ausfallen, sagte ein Sprecher der Betreibergesellschaft Aena der Deutschen Presse-Agentur. „Die Fluggesellschaft hat angekündigt, dass man sich bemühe, die Passagiere bei anderen Fluggesellschaften unterzubringen“. Am Wochenende seien noch weit mehr Flüge betroffen, hieß es: Am Freitag hätten 18 Niki-Maschinen starten und landen sollen, am Samstag 32 und am Sonntag 16, hieß es. Die insgesamt 66 Flüge hätten rund 10.000 Passagiere befördern sollen.

Auch im Inland saßen Fluggäste fest. Mehrere Dutzend Niki-Kunden waren am frühen Donnerstagmorgen zum Berliner Flughafen Tegel gekommen, obwohl die Airline den Flugbetrieb am Vorabend eingestellt hatte. Vor den Filialen der Reisebüros bildeten sich Schlangen. „Wir haben von nichts gewusst“, sagte ein wütender Familienvater, der mit seiner Frau und Tochter in der Nacht aus Polen angereist war.

„Ich bin fassungslos“, sagte eine weitere Kundin, der gerade am Schalter mitgeteilt wurde, dass sie erst am nächsten Morgen würde fliegen können. „Ich rief gestern noch am Flughafen an“, sagte sie. „Da sagte man mir noch, alles läuft planmäßig.“

Pauschalreisenden war von ihren Reisebüros geraten worden, trotz Insolvenz zum Flughafen zu fahren, um Entschädigungsansprüche geltend zu machen. „Sie haben mir gesagt, wir sollen trotzdem zum Flughafen kommen“, sagte der Kunde Wolfgang Sonne aus Rathenow, der mit seiner Frau ebenfalls in Tegel wartete. „Ich habe keine Ahnung, wie es jetzt weitergeht.“

Auch an weiteren deutschen Flughäfen fielen Niki-Flüge aus. Am Flughafen in Stuttgart warteten die Kunden am Donnerstagmorgen vergeblich auf zwei Verbindungen nach Wien sowie Marsa Alam in Ägypten. Außerdem wurde auch die vorgesehene Landung eines Fliegers aus Marsa Alam abgesagt. Durchschnittlich 20 Flüge der insolventen Air-Berlin-Tochter gingen pro Woche über Stuttgart. Am Flughafen Hamburg fielen ebenfalls zwei Flüge aus. Die Abflüge nach Fuerteventura und Mallorca waren den Angaben des Flughafens zufolge für den Vor- sowie den Nachmittag vorgesehen.

Insolvenzverwalter startet Notverkauf
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5 Kommentare zu "Aus für Air-Berlin-Tochter: Zehntausende Niki-Reisende müssen nach Hause "

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  • @ Ho - "Leichenfledderei der LH" ist einfach übertrieben und falsch:
    Sehen Sie sich die Alternativen an: Grounding! Die Flieger fliegen nicht - 100.000 te Passagiere stehen am Boden! WOLLEN SIE DAS?
    Macht es Ihnen Spaß auf einer deutschen erfolgreichen Luftfahrtgesellschaft einzuprügeln? Die Lufthansa zahlt im Gegensatz zu Billigfliegern wie Ryanair vernünftige Gehälter und kümmert sich um ihre Mitarbeiter. Es macht mir Spaß mit Lufthansa zu fliegen - die Flugbegleiter sind sehr freundlich und kompetent - ich fühle mich bei Lufthansa sicher und wohl!
    Wenn Sie über Marktanteile sprechen, sehen Sie sich bitte die amerikanischen Fluggesellschaften an, mit denen Lufthansa auch konkurriert. Diese sind alle DEUTLICH GRÖSSER als Lufthansa - wenn Lufthansa nicht wächst, haben Sie vielleicht die Möglichkeit in Zukunft innerdeutsche Flüge mit American Airlines, Delta Air Lines, Southwest Airlines oder United Airlines zu "genießen"!
    Die Deutsche Bank, EON, RWE ... wurden schon niedergemacht - möchten Sie das auch für die Lufthansa?

  • Gut so, nun muss auch noch der Rest der Leichenfledderei der LH untersagt werden. Da hat der Kranich nun ohnehin schon Marktanteile auf zahlreichen innerdeutschen und D-A-CH Strecken, die noch nicht mal die DDR-Airline Interflug hatte und wollten nun noch unter einer weiteren Pseudomarke Niki dem doofen Reisenden vorgaukeln, es gebe ja Konkurrenz und freie Marktwirtschaft.
    Im Übrigen hatte LH noch vor wenigen Wochen behauptet, dass Niki das Filetstück von AirBerlin sei, da es der beinahe einzige Teil sei, der Gewinn macht und in dem noch Werte zu heben sind. Nun wird behauptet, dass man jeden Tag Millionen zuschießen muss, also von wegen Gewinn. Wer jetzt nicht checkt, dass hier gelogen wird wie gedruckt, merkt es in diesem Leben wohl nicht mehr.

  • War von vornherein abzusehen. Nur das Triumvirat Spohr, Winkelmann, Kebekus und Anhang wollte es nicht sehen. Manche denken eben: Ich will - also sei es!

  • Die EU Behörden haben es nicht verstanden in 30 Tagen eine Prüfung einer kleinen Gesellschaft durchzuführen, 90 weitere Tage sollten da auch keinen zusätzlichen Erkenntnisgewinn liefern.
    Die Lufthansa muss verlässlich planen können, geht das nicht, so kann man Niki auch nicht übernehmen.
    Ich verstehe nicht, weshalb bei einer so kleinen Gesellschaft wie NIKI ein so großes Wettbewerbsproblem auftreten soll?
    Schade, dass die Fluggäste nicht fliegen können !!!!
    Schade, dass die Bundesregierung Teile ihres Air Berlin Kredits wohl abschreiben muss, bin allerdings dankbar, dass die Regierung geholfen hat um Schlimmeres zu vermeiden.

  • Die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager ist nicht für die Arbeitsplätze und jetzt gestrichenen Flüge verantwortlich.
    Die Kosten für gestrichene Flüge tragen jetzt zum Teil die Fluggäste, ganz abgesehen von den Arbeitsplätzen die verloren gehen. Da hätte die EU auch flexibler entscheiden können.

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