Aus Kaiser's wird Rewe
Wie eine Supermarktkette verschwindet

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„Ab heute müssen Sie jeden Kunden nach der Payback-Karte fragen“

1887 eröffnete der Kaufmann Josef Kaiser die erste Zweigstelle in der Hauptstadt. Der Westfale hatte das elterliche Kolonialwarengeschäft sieben Jahre zuvor übernommen und zu einem erfolgreichen Kaffeegeschäft ausgebaut. Das Sortiment: Röstkaffee, Gebäck und Schokolade. Bereits 1910 war Kaiser’s das größte Kaffeegeschäft Deutschlands mit 1250 Filialen. Die Zweigstellen lagen stets mitten im Zentrum und waren durch das Logo, die lächelnde Kaffeekanne, zu erkennen. 

Jetzt liegt die berühmte Kaffeekanne am Boden. Die Handwerker montieren den Rewe City-Schriftzug überm Eingang der Filiale in der Friedrichstraße. Kurz darauf leuchten die Buchstaben zum ersten Mal auf.   

Bisher läuft alles nach Plan. Michael Krüger ist zufrieden. Der 36-Jährige ist verantwortlich für die Integration der neuen Rewe-Märkte. Er steht vor dem Frischeregal, das zwei Mitarbeiterinnen gerade komplett leerräumen und auswaschen. „Die Sortimente von Rewe und Kaiser’s decken sich nur zu vierzig Prozent. Das heißt: Das meiste muss raus“, erklärt er. Die Kaiser’s-Ware wird in den nächsten Tagen zum halben Preis abverkauft. Zudem müssen etwa 15.000 Produkte umetikettiert werden. Konkurrent Edeka, der deutlich mehr Filialen umrüsten muss, lässt sich dafür mehr Zeit.

Zur Unterstützung der Kaiser's-Mitarbeiter ist ein externer Dienstleister mit 18 Aushilfen angerückt. Ein logistischer Kraftakt – und viel Verantwortung für Krüger, der die Gesamtkoordination übernommen hat. „60 Märkte in so kurzer Zeit integrieren – das gab es in der Rewe-Geschichte bisher noch nie“, sagt Krüger. „Ich habe schon einige schlaflose Nächte hinter mir.“

Handwerker tauschen gerade die Griffe an den Einkaufswagen aus. Das Kaiser’s-Logo muss überall verschwinden, die Rechte daran hat Edeka erworben. Alle Schilder und Banner werden durch den roten Rewe-Schriftzug ersetzt.

Im Pausenraum beginnt eine Schulung für die Mitarbeiter. Der kleine Raum ist mit 18 Personen überfüllt, nicht jeder hat einen Sitzplatz ergattert. An die Wand hat vor Jahren ein Künstler eine große, lachende Kaiser’s-Kanne mit Kochmütze und Löffel in der Hand gesprayt. Marcel Weyermann, rote Haare, kantiges Gesicht, leiert Regeln für den Umgang mit dem neuen Kassensystem herunter.

Er klickt zügig durch eine Powerpoint-Präsentation, die die meisten Mitarbeiter nicht sehen können – der schmale Raum eignet sich nicht für eine solche Vorführung. Die Mitarbeiter, überwiegend Frauen um die 50, werden unruhig, tuscheln miteinander. „Ab heute müssen Sie jeden Kunden nach der Payback-Karte fragen“, befiehlt der Rewe-Funktionär. Immer wieder wird er durch Bohrgeräusche aus der Filiale unterbrochen.

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Integrationshelfer für die Mitarbeiter

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  • Na. J Schwarz. Einfach mal unter jeden Artikel irgendwas geschrieben. Prost!

  • Der Secondhandmarkt braucht noch Immobilien für tolle Geschäfte aus dem Oxxxt und bereichert unser Land!

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