Aus Kaiser's wird Rewe
Wie eine Supermarktkette verschwindet

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Integrationshelfer für die Mitarbeiter

Nach eineinhalb Stunden Theorie geht es an die Praxis. Dicht gedrängt stehen die Mitarbeiter um die neu eingebaute Kasse und müssen sich konzentrieren, um Weyermanns Worte inmitten des allgemeinen Lärms zu verstehen.  „Zwei Sachen funktionieren zwar noch nicht, aber wir fangen jetzt trotzdem mal an“, sagt Weyermann. Eine Mitarbeiterin raunt: „Wir hätten ja auch einfach zwei Tage schließen können.“

Schritt für Schritt geht Weyermann die wichtigsten Funktionen durch: Waren einscannen, Storno, Kasse sperren. Petra Frickel hört angestrengt zu und notiert das Wichtigste auf ihrem Notizblock. Seit 25 Jahren arbeitet sie bei Kaiser’s, davon 13 Jahre in der Filiale an der Friedrichstraße. „Es ist schon vieles anders“, sagt sie. „Aber nach ein oder zwei Wochen wird sich alles eingespielt haben. Die Mädels bleiben ja auch noch ein paar Tage.“

Die Mädels, das sind Maria Szeja und Adriana Berisha, 20 und 23 Jahre alt. Junge Rewe-Führungskräfte, die als „Integrationshelfer“ eingesetzt werden. Sie helfen beim Umbau mit und bleiben vier Tage im Markt, falls es Fragen zum neuen IT-System gibt. Neun solcher Coaches begleiten den Übergang der 60 neuen Filialen „in die Rewe-Welt“, erklären sie. Filialleiterin Maureen Francke sagt, zusätzlich habe sie eine Patenfiliale um die Ecke, an die sie sich jederzeit mit Fragen wenden könne.

Und tatsächlich: Nur 170 Meter entfernt liegt der nächste Rewe City, im Umkreis von drei Kilometern finden sich fünf weitere Rewe-Märkte. Kritiker befürchten, es gebe bald zu viele Rewe- oder Edeka-Märkte auf zu dichtem Raum, städtische Mini-Monopole der beiden großen Lebensmittelhändler. Peter Pietz, Rewe-Bezirksmanager, winkt ab. „Natürlich gibt es da ein oder zwei fragliche Fälle, wo neue Filialen sehr nah beieinander liegen. Aber wir haben hier in Berlin so eine hohe Kaufkraft, so viele Touristen und Büros, ich mache mir da keine Sorgen.“ Und die Arbeitsplätze seien für die nächsten fünf Jahre gesichert, betont er.

Es ist 17 Uhr, langsam setzt die Dämmerung ein. Die meisten Regale sind eingeräumt, ein Putztrupp beseitigt die Spuren des Umbaus. Im Eingangsbereich hängt nun eine rot-weiße Luftballonschlange. Ein nagelneuer Payback-Servicepoint ist fertig installiert. Zwei Mitarbeiterinnen arrangieren gemeinsam die Schnittblumen. Alle Logos sind ausgetauscht, nichts erinnert mehr an Kaiser’s.

Jürgen Gratz ist sichtlich erschöpft. Eine letzte Warenlieferung soll noch kommen. „Wir hoffen, dass wir bald Feierabend machen können“, sagt er. Um 19 Uhr, spätestens 19.30 Uhr, soll Schluss sein. Viel Zeit zum Ausruhen bleibt nach diesem Sprint nicht: Am nächsten Morgen um 10 ist Neueröffnung. Der erste Tag in neuer Rewe-Kleidung.

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  • Na. J Schwarz. Einfach mal unter jeden Artikel irgendwas geschrieben. Prost!

  • Der Secondhandmarkt braucht noch Immobilien für tolle Geschäfte aus dem Oxxxt und bereichert unser Land!

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