Ausbau verzögert sich um mindestens zwei Jahre
Flughafenausbau in Frankfurt stockt

Der Ausbau des Frankfurter Flughafens, eines der größten Verkehrsprojekte in Deutschland, verzögert sich um mindestens zwei Jahre. Das kündigte Hessens Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) am Dienstag in Wiesbaden an. Die geplante neue Landebahn geht damit voraussichtlich erst 2009 oder 2010 in Betrieb. Ursprünglich sollte die Piste im Frühjahr 2007 übergeben werden.

HB FRANKFURT. Hintergrund sind Probleme mit der Chemiefabrik Ticona nur wenige hundert Meter von der geplanten Landebahn im Nordwesten des Flughafens entfernt. Die vom Chemieunternehmen und Anrainern angerufene Störfallkommission des Bundes hatte deshalb Mitte Februar gegen die Ausbaupläne votiert. Sie stützt sich auf ein Gutachten des TÜV Pfalz, das einmal in 25 000 Jahren einen Flugzeugabsturz auf das Werk mit mehr als 100 Toten und dem „Totalverlust“ der Produktionsanlage annimmt. Dieses Risiko ist laut Störfallkommission nach internationalen Kriterien nicht hinnehmbar.

Es gehe aber nicht allein um das Problem des Chemiewerkes Ticona von Celanese in der Einflugschneise der geplanten Nordwest-Variante, hieß es in den Kreisen. Generell nehme das aufwendige Genehmigungsverfahren mehr Zeit in Anspruch als von Fraport erwartet.

Die EU hatte Ende März ein Verfahren angedroht, weil das Ticona- Risiko nicht rechtzeitig geprüft worden sei. Später signalisierte die Kommission aber, dass sie auf eine Klage gegen die Bundesrepublik verzichten werde, wenn die Prüfung noch erfolgt. Die Landesregierung will dies noch in diesem Jahr bei einer Neufassung des Landesentwicklungsplans erledigen. Dabei müssen auch zwei weitere Ausbauvarianten im Nordosten und im Süden des Geländes sowie der komplette Verzicht auf das Projekt geprüft werden.

Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hatte eine komplette Verlagerung des Chemiewerks ins Gespräch gebracht, in dem rund 1000 Menschen arbeiten. Dies würde aber erhebliche Kosten verursachen; die Schätzungen schwanken zwischen 300 Mill. und einer Milliarde Euro.

Mit der neuen Landebahn will die Fraport AG die Zahl der möglichen Starts und Landungen um rund 50 % erhöhen. Im Gegenzug soll mit Inbetriebnahme der Piste ein Nachtflugverbot gelten. Der umstrittene Ausbau des größten Flughafens auf dem europäischen Festland soll mehr als drei Mrd. € kosten. Mit der Erweiterung ist die Hoffnung auf mehrere zehntausend neue Jobs - Fraport spricht sogar von bis zu 100 000 - in der Region verbunden. Etwa ein Drittel der Arbeitsplätze sollen dabei am Flughafen selbst entstehen. Bislang arbeiten dort rund 60 000 Beschäftigte.

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